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stern: Radikale Gesundheitsreform geplant
Mehr Eigenverantwortung und Abkehr von der paritätischen Finanzierung geplant

Hamburg (ots) - Bundeskanzler Gerhard Schröder will in der nächsten Legislaturperiode eine radikale Gesundheitsreform durchsetzen. Nach Informationen des Hamburger Magazins stern soll die neue Gesundheitsministerin Ulla Schmidt (SPD) bis zur Wahl 2002 ein Konzept erarbeiten, das die Leistungen der gesetzlichen Krankenversicherung auf eine Art Grundversorgung reduziert und den Mitgliedern eine höhere Eigenverantwortung auferlegt. Auf diese Weise würde - wie bereits in der Rentenversicherung mit der privaten Vorsorge vorexerziert - die paritätische Finanzierung durch Arbeitnehmer und Arbeitgeber aufgegeben. Er gehe davon aus, "dass im Laufe der nächsten 18 Monate die überfällige große Gesundheitsreform konzipiert wird, die dann - aufgrund der unvermeidlichen Grausamkeiten - unverzüglich in den Jahren 2002 bis 2004 umgesetzt werden sollte", sagte der "Wirtschaftsweise" Bert Rürup dem stern. Rürup, der als wichtigster sozialpolitischer Berater der Schröder-Regierung gilt, empfiehlt, künftig sollte sich der solidarisch finanzierte Gesundheitsschutz "auf Krankheiten konzentrieren, die zu gravierenden Schäden und deren erfolgreiche Behandlung zu spürbaren Einkommensverlusten des Einzelnen führen würde". Ulla Schmidt soll nun prüfen, wie die Eigenbeteiligung der Patienten am besten organisiert werden kann. Neben mehr Selbstzahlungen für bestimmte Leistungen wie Zahnersatz oder Psychotherapie seien auch Zusatzversicherungen oder Wahltarife bei den gesetzlichen Krankenkassen, die die Arbeitnehmer allein finanzieren müssten, im Gespräch, schreibt der stern. Klar sei bereits, dass die Kassen nicht länger für Unfälle bei Risikosportarten zahlen sollen. Wirtschaftswissenschaftler Rürup rät darüber hinaus dazu, eine "Praxisgebühr von zum Beispiel 20 Mark" zu erheben, die bei jedem Arzt-Besuch mit einer neuen Krankheit vom Patienten an die Krankenkasse zu entrichten wäre. SPD-Fraktionschef Peter Struck will den Wählern schon vor der Wahl klar sagen, was sie gesundheitspolitisch erwartet. Die SPD "darf keine weiße Salbe ins Wahlprogramm schreiben", sagte Struck dem stern. Den parteilosen Wirtschaftsminister Werner Müller zitiert das Magazin mit den Worten: "Das wird eine Revolution. Aber wir müssen ja irgendwann einmal damit anfangen." Diese Vorabmeldung ist mit Quellenangabe zur Veröffentlichung frei. ots Originaltext: stern Im Internet recherchierbar: http://recherche.newsaktuell.de Für inhaltliche Rückfragen steht Ihnen stern-Redakteur Andreas Hoidn-Borchers zur Verfügung. Tel. 030/202240 Original-Content von: Gruner+Jahr, STERN, übermittelt durch news aktuell

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