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stern: Selbstbetrug bei der Stuttgarter "Schwabengarage AG"

Hamburg (ots) - Die Stuttgarter "Schwabengarage AG", mit 826 Millionen Mark Umsatz und 32000 verkauften Autos größter Fordhändler der Welt, hat sich selbst betrogen. Nach Recherchen des Hamburger Magazins stern war ein Betrug einer spanischen Firma hausgemacht, da es sich bei der "Spanger" um eine 100-prozentige Tochterfirma handelte. Wie der stern in seiner neuen Ausgabe berichtet, hatte die Schwabengarage im März 1999 das Angebot erhalten, Autos vom Typ Ford Focus mit spanischer Zulassung für jeweils nur 18900 Mark zu kaufen. Der gleiche Wagen hätte in Deutschland rund 30000 Mark gekostet. Die Schwabengarage ließ rund 2000 Billig-Wagen aus Spanien kommen - obwohl Ford solch lukrative Geschäfte verbietet. Doch dann ermittelte die Staatsanwaltschaft, ließ die Räume des Stuttgarter Ford-Händlers durchsuchen. Denn weil die Hälfte der Autos, obwohl bezahlt, bei der Schwabengarage nicht ankam, diese so zwölf Millionen Mark verlor und tief in die roten Zahlen rutschte, erstattete der Vorstand Anzeige gegen Unbekannt. Hinter der spanischen Firma "Spanger", die das Angebot machte, verbirgt sich allerdings seit Frühsommer 1999 eine hundertprozentige Tochter der Schwabengarage. Über ein ausgeklügeltes Umwegsystem aus Zwischenhändlern und Scheinfirmen kassierte die Schwabengarage bei jedem Ford Focus 4000 Mark, sagte der Ex-Gebrauchtwagenchef der Schwabengarage dem stern. Das dunkle Geschäft geriet ins Stocken, weil den Schwaben im Herbst 1999 auffiel, dass bei weitem nicht alle der bestellten Autos eintrafen. Heute ist klar, dass die in Deutschland wegen Betrugs vorbestrafte Spanger-Chefin Petra Bittmann die heiße Ware in Spanien auf Firmenkosten teurer einkaufte, als sie die Fahrzeuge an die Schwabengarage verkaufte. Der Verlust pro Wagen betrug mehr als 3000 Mark. "Uns wurde erklärt, die Fahrzeuge würden preiswert eingekauft", sagt Vorstandschef Heinrich Hänle jetzt. "Doch nach Aussage des größten Lieferanten an Spanger sind die uns vorliegenden Rechnungen gefälscht." Bittmann behauptet gegenüber dem stern, sie habe mit Wissen der Schwabengarage die Wagen billiger verkauft, damit in Stuttgart Gewinne, im fernen Spanien dagegen Verluste geschrieben würden. Der Vorstand bestreitet dies. Nun fordern Geschäftspartner Schadensersatz in sechsstelliger Höhe. Sie wurden nicht beliefert, obwohl sie schon Käufer hatten. Ihren ahnungslosen Aktionären erklärte die Schwabengarage im Geschäftsbericht 1999 nur, "Opfer betrügerischer Geschäfte" geworden zu sein. Jeder Hinweis auf die Spanger fehlte. Herbert Hansen von der Schutzgemeinschaft der Kleinaktionäre wittert Betrug: "Die Aktionäre wurden hinters Licht geführt." Diese Meldung ist unter der Quellenangabe stern zur Veröffentlichung frei. ots Originaltext: stern Im Internet recherchierbar: http://recherche.newsaktuell.de Für Rückfragen steht Ihnen stern-Mitarbeiter Rainer Nübel (Tel. 07151-610516) zur Verfügung. Original-Content von: Gruner+Jahr, STERN, übermittelt durch news aktuell

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