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stern: Familie des toten Joseph soll Zeugenaussagen manipuliert haben

    Hamburg (ots) - Im Fall des toten Joseph aus dem sächsischen
Sebnitz gibt es massive Zweifel an der Darstellung der Familie
Kantelberg-Abdulla. Das Hamburger Magazin stern berichtet in seiner
am Donnerstag erscheinenden Ausgabe, dass die Eltern des Kindes
Zeugenaussagen offenbar manipuliert und eigenmächtig ergänzt haben.
Renate Kantelberg-Abdulla und deren Mann Saad, beide Inhaber einer
Apotheke, hatten behauptet, ihr Sohn Joseph sei im Juni 1997 im
Freibad von Sebnitz von einer Neonazi-Bande vergiftet und ertränkt
worden. Hintergrund sei der Konkurrenzkampf zwischen den Sebnitzer
Apotheken. Als Beweis hatten sie 17 Eidesstattliche Versicherungen
vorgelegt. Mehrere Zeugen, darunter zwei Hauptbelastungszeugen, sind
nun gegenüber dem stern von ihren Aussagen abgewichen.
        
    Ein 23-jähriger Mann, der in seiner Aussage minutiös schildert,
dass das Kind mit einem Elektroschocker misshandelt worden sei, sagte
dem stern: "Ich habe nicht gesehen, dass der kleine Junge mit einem
Elektroschocker traktiert worden ist. Ich haben keinen
Elektroschocker gesehen." Der Mann erklärte auch, er sei an jenem Tag
rund 150 Meter vom angegebenen Tatort entfernt gewesen. In einer
eidesstattlichen Versicherung, die dem stern vorliegt, schildert der
Zeuge, wie die Aussagen bei der Familie zustande gekommen seien:
"Frau Kantelberg hat mir detaillierte Fragen zu Personen und
Sachverhalten gestellt, die ich nur mit "Ja" oder "Nein" beantwortet
habe."
        
    Ein anderer Hauptbelastungszeuge stellte gegenüber dem stern klar,
dass man den Großteil seiner Aussage "komplett streichen" könne.
Renate Kantelberg-Abdulla habe ihm über fünfzig Namen von Badegästen
aufgezählt, die er teilweise nicht gekannt habe. Dem stern sagte er:
"Wo ich mit den Namen nichts anfangen konnte, fing sie an zu
beschreiben. Ich sage: Kann sein, dass die dagewesen ist. Da sagt
die: Komm, schreiben wir es halt mal." Der Mann will nun Teile seiner
Aussage bei der Dresdner Staatsanwalt zurückziehen.
          
    In einer weiteren Eidesstattlichen Versicherung der Familie
schildert ein Zeuge, dass in dessen Wohnung ein Sebnitzer Apotheker
mit einem anderen Bürger der Stadt den Mord an dem kleinen Joseph
geplant habe. Nun erklärte er dem stern, die beiden Männer seien "nie
gemeinsam" in seiner Wohnung gewesen.

    Mit den Recherchen des stern konfrontiert, sagte Renate Kantelberg-Abdulla: "Ich bleibe bei meiner Darstellung. Ich musste doch damit rechnen, dass der Konkurrenz-Apotheker oder irgendeine Macht, dass die jetzt alles versuchen, die Zeugen zu beeinflussen."

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ots Originaltext: stern
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