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stern: Stuttgarter Porzellan-Auktion zugunsten des Clans von Indonesiens Ex-Diktator Suharto

Hamburg (ots) - Von Freitag an werden in Stuttgart insgesamt 350.000 Stück chinesisches Porzellan versteigert, die fast 180 Jahre unentdeckt im Rumpf der 1822 vor Sumatra gesunkenen Dschunke "Tek Sing" lagerten. Obwohl der australische Wracksucher Michael Hatcher das zerbrechliche Gut in Gewässern innerhalb der "200-Miles-Exclusive Economic Zone" (EEZ) Indonesiens geborgen hat, bekommt der Staat nach Informationen des Hamburger Magazins stern von den erwarteten 35 Millionen Mark Umsatz nichts ab. Der Schatz sei nach internationalem Recht "eindeutig Teil des nationalen Erbes Indonesiens", sagte Seerechtsexperte Professor Jakob Rais dem stern . Die Regierung in Jakarta geht leer aus, weil der Clan des einstigen Herrschers Suharto Hatcher dabei geholfen hat, die Reichtümer außer Landes zu bringen. Der ehemalige Sekretär des von Diktator Suharto eingerichteten "Komitees zur Rettung nationaler Schätze" (Pannas), Gasyim Aman, behauptet sogar, dass die Bergungslizenz gefälscht worden sei. Die Trickserei geschieht nicht zum ersten Mal: Schatzsucher Hatcher hatte bereits 1985 die Indonesier überlistet und in der Straße von Malakka eine millionenschwere Ladung des holländischen Schiffes "De Geldermalsen" gehoben, das 1752 gesunken war. Der Staat musste zusehen, wie Hatcher bei einer Porzellanauktion in Amsterdam den Gewinn für sich und seine unbekannten Sponsoren einsammelte. Wie der stern weiter berichtet, will Indonesiens Präsident Abdurrahman Wahid dafür sorgen, dass so etwas in Zukunft nicht mehr passieren kann. Weil sich Korruptionsvorwürfe gegen das Komitee häuften und sich der jüngste Suharto-Sohn Tommy gleich sechs Bergungslizenzen sichern konnte, besetzte er per Dekret 107/2000 sämtliche Stellen bei Pannas neu. Es sei nunmehr gewährleistet, dass "einzigartige und historisch bedeutende Objekte als Teil unseres kulturellen Erbes im Land bleiben", sagte die Vorsitzende der indonesischen Archäologenvereinigung dem stern. Der Rest könne dann fair zwischen Bergungsunternehmen und Staat geteilt werden. Die Gesellschaft für bedrohte Völker appelliert angesichts der mysteriösen Umstände der "Tek Sing"- Bergung an das Stuttgarter Auktionshaus Nagel, den indonesischen Staat doch noch angemessen an dem Erlös der Versteigerung zu beteiligen. "Eine solche Geste des guten Willens würde auch den indonesischen Demokraten den Rücken stärken, die die Machenschaften des korrupten Suharto-Regimes endlich aufdecken und stoppen wollen", sagte Asien-Referent Ulrich Delius dem stern. Diese Vorabmeldung ist mit Quellenangabe zur Veröffentlichung frei. ots Originaltext: stern Im Internet recherchierbar: http://recherche.newsaktuell.de Für Rückfragen steht Ihnen stern-Redakteur Günter Handlögten (Tel. 040-3703-2656) gerne zur Verfügung. Original-Content von: Gruner+Jahr, STERN, übermittelt durch news aktuell

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