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Wiedeking im stern: "Porsche könnte mit einem Benzinpreis von 5 Mark leben."

Hamburg (ots) - Der Sportwagenhersteller Porsche erwartet auch in diesem Jahr wieder ein glänzendes Ergebnis. "Ich bin stolz, meinen Mitarbeitern dieses Jahr wieder den höchsten Bonus in der Industrie zu zahlen - und auch die Aktionäre erhalten eine ordentliche Dividende", kündigte Porsche-Chef Wendelin Wiedeking in einem Interview mit dem Hamburger Magazin stern an. Anders als seine Kollegen in der Branche, sieht der Porsche-Chef in der Umweltpolitik der Bundesregierung keine Probleme für sein Unternehmen. Die rot-grüne Ökosteuer z.B. könne Porsche nicht von der Erfolgsspur abbringen. "Ich erwarte von der Politik, dass sie steuernd, auch regelnd eingreift. Beim Umweltschutz sind wir deshalb so weit, weil uns die Politik zum Teil gezwungen hat." Aus seinem Unternehmen habe man "keinen Schrei" zum Thema Ökosteuer gehört. "Porsche könnte theoretisch mit einem Benzinpreis von fünf Mark leben. Aber könnte es die SPD? Die hat davor mehr Angst als wir", sagte Wiedeking im stern. Porsche müsse sich beim Energieverbrauch und dem Schadstoffausstoß vor keinem Kleinstmobil verstecken. Er könne sich vorstellen, so Wiedeking, dass selbst Bundesumweltminister Trittin, so er denn einen Führerschein hätte, es "toll fände", einen Porsche zu fahren. Mit dem Kanzler komme die Autoindustrie gut zurecht, "weil der wirklich zuhört". Im Gegensatz zu Kohl, der von Wirtschaft keine Ahnung habe: "Kohl hat an dieser Front völlig versagt." Er, Wiedeking, sei auch der Meinung, "dass Helmut Kohl der CDU keinen Gefallen tut, wenn er sich immer noch in den Vordergrund spielt. Kohl müsste abtreten." Auch sein Bundestagsmandat sollte er nach Überzeugung von Wiedeking aufgeben. "Wenn er ein 150-prozentiger CDU-Mann ist, und davon gehe ich aus, müsste er doch für die Partei was Gutes tun, für das Wohl seiner Firma sozusagen - dann müsste er diesen Schritt tun. Nur so können sich die Nachfolger profilieren, ohne Angst", sagte der Porsche-Chef. In der Industrie würde es so etwas nicht geben. "Für mich ist es unfassbar, wie nun alle auf ihn Rücksicht nehmen." Kritisch beurteilt der Porsche-Chef im stern-Interview die Konzentration in der internationalen Automobilindustrie: "Diese ganze Fusionitis macht die Mitarbeiter orientierungslos. Plötzlich ist die Heimat weg, die Identität geht verloren." Bei diesen Aktionen würden "immer die Menschen" und die Auswirkungen auf Motivation und Engagement der Mitarbeiter vergessen: "Da bleibt Leben auf der Strecke. Da verlieren Sie Kraft." Die Führung bei einem großen Konzern der Branche zu übernehmen ist für den Porschechef nach wie vor nicht verlockend. "Ist es wirklich reizvoller, für ein größeres Unternehmen zu arbeiten? Noch mehr Blech zu biegen? Wo ist der Unterschied, ob die Kotflügel-Presse hundertmal "patsch" macht, oder 40 000mal, oder vier Millionen Mal?", fragte Wendelin Wiedekind im stern-Gespräch. Diese Vorabmeldung ist mit Quellenangabe zur Veröffentlichung frei. ots Originaltext: stern Im Internet recherchierbar: http://recherche.newsaktuell.de Für Rückfragen: stern-Redakteur Arno Luik, Tel. 0171/534 21 96 Original-Content von: Gruner+Jahr, STERN, übermittelt durch news aktuell

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