Gruner+Jahr, STERN

stern: Millionenverluste bei der russischen Zwangsarbeiter-Stiftung

Hamburg - Die Moskauer "Stiftung für Verständigung und Aussöhnung", die deutsche Hilfsgelder für ehemalige Zwangsarbeiter und Nazi-Opfer in Russland auszahlen soll, ist kaum noch zahlungsfähig. Nach Informationen des Hamburger Magazins stern stellte der russische Rechnungshof in einem Bericht fest, dass zwischen 1994 und 2000 mehr als 80 Millionen aus den Kassen der Stiftung verschwunden sind. Die Stiftung sollte seit sechs Jahren 400 Millionen Mark an ehemalige Zwangarbeiter überweisen. Doch nach Erkenntnissen der Prüfer warten noch immer 68 000 Opfer auf die zweite Rate. 31 000 Anträge auf Entschädigung seien nicht einmal bearbeitet worden. Schuld für das Durcheinander und die Misswirtschaft trage vor allem die russische Regierung, aber auch Wiktor Knjasew, den Moskau 1994 zum Leiter der Stiftung machte. Entscheidungen über Millionenbeträge habe er ohne finanzielle Berater getroffen, Banken seien scheinbar zufällig gewählt worden. Von den zwölf Geldhäusern, bei denen die Stiftung Konten hatte, hätten vier ihre Lizenz verloren. Seit Juli ermittelt die Staatsanwaltschaft gegen Knjasew wegen Überschreitung dienstlicher Befugnisse. Den größten Verlust machte die Stiftung nach Ansicht der Rechnungsprüfer bereits 1996. Durch den Zusammenbruch der "Tweruniwersalbank" verlor sie 42 Millionen Mark. Bei der "Rosdombank" hatten Knjasew und seine Mitarbeiter 14,2 Millionen Mark angelegt. Die Bank wurde zahlungsunfähig. Verwundert stellten die Rechnungsprüfer fest, dass die Stiftung dennoch zwei Monate später, im März 1999, einen Kredit bei derselben Bank aushandelte. Moskau ist bemüht, den Schaden klein zu halten. Ein Bericht des Arbeitsministeriums bleibt nach stern-Informationen unter Verschluss, die deutsche Seite wurde über die Ergebnisse der Prüfung nicht informiert. Sollte sich der Millionenverlust bestätigen, könnte Deutschland darauf drängen, dass Russland für den Schaden aufkommt. Wolfgang Gibowski von der "Stiftungsinitiative der deutschen Wirtschaft" sagte in einem stern-Interview über die noch nicht bezahlten Entschädigungen für Zwangsarbeiter, man werde die "Auszahlung der zehn Milliarden Mark so organisieren, dass solcher Missbrauch nicht wieder vorkommt". Die Gelder sollen direkt an die Empfänger gezahlt werden. Den Stiftungen im Ausland würden keine großen Summen mehr pauschal überwiesen. Diese Meldung ist unter Quellenangabe stern zur Veröffentlichung frei. ots Originaltext: stern Im Internet recherchierbar: http://recherche.newsaktuell.de Für Rückfragen steht Ihnen stern-Redakteuer Hans-Hermann Klare zur Verfügung. Tel. 040-3703-3595 Original-Content von: Gruner+Jahr, STERN, übermittelt durch news aktuell

Themen in dieser Meldung


Das könnte Sie auch interessieren: