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stern: "Ich habe schon zuviel meiner Lebenszeit mit dir verbracht"
stern druckt exklusiv Auszüge aus dem Schäuble-Buch "Mitten im Leben"

Hamburg (ots) - Helmut Kohl ist nach Meinung des ehemaligen CDU-Vorsitzenden Wolfgang Schäuble hauptverantwortlich für die "existenzbedrohende Krise" der CDU, in die die Partei wegen der Verstösse Kohls gegen das Parteispendengesetz geraten ist. In seinem Buch "Mitten im Leben", das der stern exklusiv in Auszügen veröffentlicht, zitiert Schäuble im Zusammenhang mit eigenen Fehlern Angela Merkel, die ihn vom Rücktritt abhalten wollte. Danach habe Merkel gesagt: "Es könne nicht richtig sein, dass für diese Krise ein Parteivorsitzender geopfert werde, der zwar vielleicht Fehler gemacht habe, der aber letztlich für die Krise keinerlei Verantwortung trage." Schäuble schildert in seinem Buch das letzte Gespräch mit Altkanzler Kohl am 18. Januar in dessen Berliner Büro, bei dem er Kohl aufgefordert hatte, sein Bundestagsmandat niederzulegen und damit die politische Verantwortung für den Schwarze-Kassen-Skandal zu übernehmen. Nach dessen strikter Weigerung "sagte ich ihm, dass ich dann zurücktreten würde, weil ich die Partei aus der Krise, die er mit der Zerstörung des Ansehens seiner Regierungszeit verursache, nicht herausführen könne. Denn schließlich sei ich in diesen 16 Jahren eine seiner wichtigsten Stützen gewesen. Kohl, der mich schon zuvor eher frohgemut mit der Frage 'Trittst Du zurück?' empfangen hatte, schien von dieser Mitteilung nicht sonderlich betroffen zu sein. Statt dessen erklärte er, die ganze Geschichte sei eigentlich nicht so schlimm. Für seine Handhabung der Spenden habe ein Großteil der Bevölkerung Verständnis... lediglich meine Spende an Schreiber habe diese Affäre zu einer dramatischen Krise werden lassen. Mit dem Satz, dass ich dann wohl schon zuviel meiner knapp bemessenen Lebenszeit mit ihm verbracht hätte, beendete ich darauf das Gespräch". Schäuble versicherte gegenüber dem stern: "Wer eine Abrechnung erwartet, wird enttäuscht sein von meinem Buch." Allerdings lässt der Autor keinen Zweifel daran, dass er Kohl für den Alleinschuldigen an seinem Sturz als CDU-Chef hält. Viel zu spät habe er begriffen, dass "ein intrigantes Spiel gegen mich gespielt wurde". In seiner Bilanz der Affäre kommt Schäuble zu dem resignierten Schluß: "Es war eine selbstzerstörerische Auseinandersetzung." Er sei letztlich nicht geeignet gewesen, die "Partei aus dieser Krise zu führen, weil ich zu sehr mit diesen 16 Jahren verbunden war". Das in der politischen Szene mit Spannung erwartete Buch "Mitten im Leben" (erschienen bei C. Bertelsmann) wird offiziell am 5. Oktober in Berlin von seiner Nachfolgerin Angela Merkel vorgestellt. Die Meldung ist unter Nennung der Quelle zum Abdruck frei ots Originaltext: stern Im Internet recherchierbar: http://recherche.newsaktuell.de Für Rückfragen: Hans Peter Schütz, Tel. 0171-544 51 41 Original-Content von: Gruner+Jahr, STERN, übermittelt durch news aktuell

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