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stern: Ex-Geheimdienstkoordinator Schmidbauer und V-Mann Mauss verzögerten Freilassung der Familie Wallert

Hamburg (ots) - Die Verhandlungen um die Freilassung der von philippinischen Abu-Sayyaf-Rebellen gekidnappten Familie Wallert sind durch separate Aktivitäten des CDU-Bundestagsabgeordneten Bernd Schmidbauer und des Privatdetektivs Werner Mauss erheblich erschwert worden. Der Staatsminister im Auswärtigen Amt, Ludger Volmer (Bündnis90/Die Grünen) sprach gegenüber dem Hamburger Magazin stern von einem "großen außenpolitischen Schaden". Volmer: "Das hat uns und die Geiseln mindestens einen Monat gekostet". Auch BND-Präsident Ernst Hanning bestätigte gegenüber dem stern, "dass aus Deutschland unkoordiniert agiert wurde gegenüber den Geiselnehmern." Beschwerden über deutsche Trittbrettfahrer hätten ihn aus Frankreich, Finnland und von dem libyschen Unterhändler Rajab Azzarouk erreicht. Der stern zitiert in diesem Zusammenhang aus einer geheimen Gesprächsnotiz von AA-Staatsekretär Wolfgang Ischinger für Außenminister Joschka Fischer. In einem "nicht unkontrovers verlaufenen Telefonat" habe er Schmidbauer "nachdrücklich" ersucht, "alles zu unterlassen, was den Eindruck erzeugen könne, dass die Bundesregierung andere, wie z.B. ihn (S.) in dieser Sache mit einem Auftrag versehen hätte". Detektiv Mauss war vom Bundeskriminalamt (BKA) als Anrufer identifiziert worden, der unter dem Namen "Sondermann" auf den Süd-Philippinen versucht hatte, beim dortigen BKA-Vertreter und beim deutschen Botschafter um Satellitentelefone nachzusuchen. Beim deutschen Militärattache gab er sich fälschlicherweise, wie die Botschaft nach Berlin meldete, als Sonderberater Azzarouks aus. Mit den Telefonen wollte er, wie er dem Berliner Kanzleramt mitteilte, eine Konferenzschaltung ins Lager der Abu-Sayyaf organisieren. Der BND hatte bereits am 6. Juli vorigen Jahres eine erste "terroristische Warnmeldung" über geplante Entführungen durch die Abu-Sayyaf-Rebellen an die Regierung gerichtet. Für eine Reisewarnung an Touristen hätten die Informationen allerdings nicht gereicht, bestätigte Hanning, der von Berlin gegenüber Libyen als Chefverhandler eingesetzt wurde. Hanning bestätigte, dass er seit Mitte Juni insgesamt dreimal nach Tripolis zu dem libyschen Geheimdienstchef Moussa Koussa geflogen ist, den er schon aus zwei früheren Begegnungen kannte. Ende Juli hatte er mit Saif al-Islam, dem Sohn von Revolutionsführer Gadhafi, in Wien über Zahlungen an die Entführer verhandelt. Diese Meldung ist unter Quellenangabe stern zur Veröffentlichung frei. ots Originaltext: stern Im Internet recherchierbar: http://recherche.newsaktuell.de Für Rückfragen steht Ihnen stern-Redakteur Klaus Wirtgen zur Verfügung. Tel. 0172-412 54 97 Original-Content von: Gruner+Jahr, STERN, übermittelt durch news aktuell

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