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stern: Ferrero-Manager spannte Hessen-CDU für Privatzwecke ein

Hamburg - Ein Manager der Süßwarenfirma Ferrero hat die hessische CDU nicht nur mit Schwarzgeld versorgt, sondern auch für seine Privatinteressen eingespannt. Wie das Hamburger Magazin stern in seiner am Donnerstag erscheinenden Ausgabe berichtet, hat der Konzern-Manager Arthur Kurrle mit Hilfe des langjährigen CDU-Kassierers Casimir Prinz zu Sayn-Wittgenstein versucht, ein Bauprojekt für junge Familien zu kippen. Auf dem Baugebiet Erlenbachaue in Neu-Isenburg, einem bevorzugten Wohngebiet von Ärzten, Anwälten und Flugkapitänen, sollte ein dreigeschossiger Gebäudekomplex mit rund 60 Eigentumswohnungen à 100 Quadratmeter entstehen, die pro Wohnung rund 300 000 Mark kosten sollten. Die Stadt Neu-Isenburg wollte den teuren Grund zu günstigen Erbpachtkonditionen hergeben. Doch gut betuchte Anwohner, darunter auch ein Sohn des Ferrero-Managers, zogen gegen das Projekt zu Felde. Sie befürchteten, dass mit "solchen Leuten", wie sie in die geplanten "Plattenbauten" einziehen sollten, ein "soziales Problem" geschaffen werde. Die Einsprüche wurden jedoch abgeschmettert, die Stadtverordnetenversammlung, auch die CDU, stand zunächst geschlossen hinter dem Projekt. Selbst ein Besuch der Protestler beim Neu-Isenburger CDU-Bürgermeister Oliver Quilling Ende 1997 brachte nichts. Wortführer bei diesem Gespräch, so der stern, war Ferrero-Manager Kurrle. Er und seine Mitstreiter befürchteten, die geringer verdienenden Familien könnte die Wohnidylle stören und die dreistöckigen Bauten die schöne Aussicht schmälern. Kurrle drohte dem Bürgermeister mit hohen Schadenersatzforderungen. Trotz des massiven Drucks blieb Quilling hart. Nachdem bereits alle Einspruchsfristen verstrichen waren, schrieb Ferrero-Manager Kurrle einen Brief an Sayn-Wittgenstein mit der Bitte, den Bebauungsplan in der vorliegenden Form zu verhindern. Plötzlich fand auch die Neu-Isenburger CDU-Fraktion die dreigeschossige Bauweise doch nicht ganz passend, auch FDP und Wählergemeinschaft, deren Stimmen zum Kippen des Projekts benötigt wurden, kamen Zweifel. Das Projekt wurde gestoppt - die CDU-Fraktion überstimmte mit Hilfe von FDP und Wählergemeinschaft ihren eigenen Bürgermeister. Die jungen Familien haben nun das Nachsehen. Inzwischen werden auf dem Areal Einfamilien-Reihenhäuser gebaut, die rund 100 000 Mark teurer sein werden als die ursprünglich von allen Parteien gewollten Eigentumswohnungen. Diese Meldung ist unter Quellenangabe stern zur Veröffentlichung frei. ots Originaltext: stern Im Internet recherchierbar: http://recherche.newsaktuell.de Für Rückfragen stehen Ihnen stern-Redakteurin Regina Weitz (Tel. 069-793 00 711) und stern-Redakteur Jürgen Steinhoff (Tel. 040-3703-3577) zur Verfügung. Nachrichtenredaktion Telefon: (040) 3703 3558 Telefax: (040) 3703 5631 Original-Content von: Gruner+Jahr, STERN, übermittelt durch news aktuell

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