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"Politisch wird er nichts bewirken"
stern-Gespräch mit Gore Vidal
Bestsellerautor und einer der renommiertesten Kritiker amerikanischer Politik

    Hamburg (ots) -          / u.a. über den Präsidentschaftswahlkampf in den USA, seinen Cousin Al Gore und den Mythos John F. Kennedy.

    Der Bestseller-Autor Gore Vidal hält es für absurd, im Zusammenhang mit den Präsidentschaftswahlen am 7. November von einer "Wahl" zu sprechen. "Die Menschen wissen, dass sie betrogen werden", sagte Vidal in einem stern-Interview, das in der neuen Ausgabe des Hamburger Magazins erscheint. Die Kandidaten Bush und Gore seien "Vertreter einer Partei mit zwei rechten Flügeln". Sie seien Südstaatler aus alten Dynastien und "beide werden dem Militär noch mehr Geld geben", prophezeite Vidal. Al Gore - "der kleine Al" - sei ehrgeizig, werde aber "politisch nichts bewirken". "Wir Gores sind immer witzig und charmant", sein Cousin habe aber "offenbar hart daran gearbeitet, dass man von all dem nichts bei ihm merkt." Eines, so Vidal, könne man über den Kandidaten der Demokraten sagen: "Er wird sich im Oval Office nie an jemand ranmachen. Und niemand wird sich an ihn ranmachen."          In dem stern-Gespräch attackiert Gore Vidal auch den Mythos John F. Kennedy. Vidal, Stiefbruder von Jackie Kennedy, war ein enger Berater des Präsidenten. Während der Berlin-Krise im August 1961 habe er jede Nacht mitgeschrieben, "was ich bei ihm erlebte". Damals sei im klar geworden, dass Kennedy nicht nur Kalten Krieg spielen, sondern "Kriege gewinnen" wollte: "Er wollte einen sicheren Krieg, bei dem nicht die ganze Welt auseinander fliegt. Er wollte Ruhm. Deshalb Vietnam."          Kennedy habe während seiner Zeit als Präsident wegen seiner Rückenverletzung oft unter Drogen gestanden. Nicht nur Cortison habe er bekommen, sondern sein Arzt habe ihm auch Speed verschrieben: "Er war manchmal gar nicht richtig bei sich."          Ein düsteres Bild zeichnete der 74-jährige Autor von der Lage in seinem Land: "Wir sind keine Demokratie mehr. Wir haben unsere Verfassung schon längst aufgegeben." Die moderne Diktatur komme nicht mit "braunen oder schwarzen Uniformen" daher. "Wir machen das mit Unterhaltung, mit Fernsehen, mit Spaß, Spaß. Und einer Erziehung, die verdummt", sagte Vidal im stern.

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Ernst Rudolf Achinger

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