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"Der Laden fliegt uns nicht um die Ohren"
stern-Gespräch mit der CDU-Vorsitzenden Angela Merkel

Hamburg (ots) - Die Schröder-Regierung hat für die CDU-Parteivorsitzende Angela Merkel mit der Durchsetzung der Steuerreform im Bundesrat lediglich "einen Punkt gemacht". "Aber der Kampf ist noch lange nicht entschieden", sagte Merkel in einem Gespräch mit dem Hamburger Magazin stern, das in der morgigen Ausgabe erscheint. An den Nachbesserungen könne man sehen, "dass die Regierung die Schwächen der Reform kannte. Jetzt trägt sie in vielen Teilen die Handschrift der Union", betonte Merkel. Als Parteivorsitzende habe sie in der CDU "einen guten Überblick über den Laden, und der fliegt uns nicht um die Ohren. Im Gegenteil, er macht Rot-Grün wieder Dampf". Der Kanzler habe "eine große Schwäche". "Schröder denkt nicht zuende. Er interessiert sich eigentlich für die Sache nicht. Das ist sein ganz großes Manko. Er ist ein Augenblicksmensch", sagte Merkel dem stern. Die CDU befände sich in einer "Umbruchsphase", und die politische Zukunft der Partei werde nicht mehr von Helmut Kohl, "sondern von der neuen Parteiführung bestimmt". Entscheidend für die Zukunft werde sein, wie sich die Partei zu ihrer Vergangenheit verhält. "Wir müssen da eine gerechte Beurteilung hinbekommen", sagte Merkel. Die CDU sei viel mehr, als das, was ihr heute vorgeworfen werde. "Ich gehe heute meinen Weg, so wie ich ihn gehe, weil ich überzeugt bin, dass die CDU sonst nur von bestimmten Leuten auf die Fehler reduziert würde. Damit wir aber auch über unsere Leistungen sprechen können, nenne ich auch die Fehler." Von Helmut Kohl habe sie, so Merkel, "viel gelernt - die politische Beurteilungskraft, das Gefühl und das Gespür für politische Vorgänge, für Mehrheiten", Was Kohl "richtigerweise nicht geduldet" habe, sei "persönliche Illoyallität". Ein "gesundes Misstrauen" gehöre zur politischen Arbeit. "Ich glaube, dass ich kämpfen kann, aber ich gehe nicht jeden Kampf ein". Man könne nicht an "allen Fronten gleichzeitig" streiten. "Manche Kämpfe muss man delegieren, manche muss man verschieben", sagte die CDU-Parteivorsitzende im stern-Interview. Diese Vorabmeldung ist mit Quellenangabe zur Veröffentlichung frei. ots Originaltext: stern Im Internet recherchierbar: http://recherche.newsaktuell.de Für Rückfragen: stern-Redakteur Arno Luik, Tel. 0171/534 21 96 Original-Content von: Gruner+Jahr, STERN, übermittelt durch news aktuell

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