Gruner+Jahr, STERN

stern: Ermittlungen der Staatsanwaltschaft belasten Kohl

Hamburg (ots) - Helmut Kohl hat am 29. Juni bei seiner Vernehmung vor dem Untersuchungsausschuss zur Parteispendenaffäre offenbar die Unwahrheit gesagt. Auf die Frage des Ausschussvorsitzenden Frank Hofmann nach Zuwendungen von Siemens/Nixdorf im Zusammenhang mit Verlustgeschäften der CDU-eigenen Dienstleistungs-, Computer- und Software GmbH (Dico-Soft) hatte Kohl ausgesagt, er sei mit diesem Fall nicht befasst gewesen. (Kohl: Hofmann glaube doch nicht im Ernst, dass der Bundeskanzler der Bundesrepublik Deutschland "sich mit dem alltäglichen Knatsch des Adenauer-Hauses" auseinandergesetzt habe.) Genau dies, so berichtet das Hamburger Magazin stern in seiner neuen Ausgabe, legen aber Unterlagen nahe, die von der Bonner Staatsanwaltschaft beschlagnahmt wurden und die dem stern vorliegen. Kohl hatte 1987 seinen Vertrauten Karl Schumacher aus der Parteizentrale zum Geschäftsführer von Dico-Soft ernannt. Nachdem innerhalb von zwei Jahren ein Verlust von mehr als drei Millionen Mark auftrat, wurden Uwe Lüthje und Horst Weyrauch damit beauftragt, den Schaden zu begrenzen. Im Ausschuss wurde Kohl mit einem Schreiben Lüthjes aus dem Jahr 1993 konfrontiert, in dem Lüthje die damalige CDU-Schatzmeisterin Brigitte Baumeister an die Millionenverluste bei Dico-Soft und die Hilfe von Siemens/Nixdorf bei der Beseitigung des Millionen-Debakels erinnerte. Eine Kopie dieses Schreibens ging nach Ermittlungen der Staatsanwaltschaft an Kohl. Die Ermittler fanden auch ein Schreiben der damaligen Dico-Soft-Gesellschafter, in dem Kohl, der damalige CDU-Generalsekretär Heiner Geißler und Schatzmeister Walther Leisler Kiep über die Misswirtschaft Schumachers informiert wurden. Dieser habe gegen "vertragliche und gesetzliche Pflichten" als Geschäftsführer verstoßen. Kohl qualifizierte den Gesellschafterbrief handschriftlich als "Streng vertraulich" und disponierte das brisante Schreiben an "H.Terlinden", damals noch Landesgeschäftsführer der CDU in Rheinland-Pfalz. Ein drittes Mal wurde Kohl in einem "nur für den persönlichen Gebrauch" deklarierten Sonderbericht auf die desolate Lage bei Dico-Soft im Herbst 1989 informiert. Weyrauch erläuterte im September 1989 zusammen mit Lüthje dem Kanzler das Papier. "Entgeistert" und "ganz still", so die Erinnerung von Weyrauch, habe ihm Kohl zugehört. Diese Vorabmeldung ist mit Quellenangabe zur Veröffentlichung frei. ots Originaltext: stern Im Internet recherchierbar: http://recherche.newsaktuell.de Für Rückfragen steht stern-Reporter Klaus Wirtgen zur Verfügung: 0172/4125497 Nachrichtenredaktion Tel. 040/3703 3558 Fax 040/3703 5631 Original-Content von: Gruner+Jahr, STERN, übermittelt durch news aktuell

Themen in dieser Meldung


Weitere Meldungen: Gruner+Jahr, STERN

Das könnte Sie auch interessieren: