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"Den Griechen geht es nicht nur um Geld"
stern-Interview mit dem Hamburger Völkerrechtler Professor Norman Paech zu Entschädigungen für griechische NS-Opfer

Hamburg (ots) - Die Entscheidung des höchsten griechischen Gerichtshofes (Aeropag), nach der Deutschland den Hinterbliebenen der Opfer eines von der SS in dem Dorf Distomon verübten Massakers 56 Millionen Mark Entschädigung zahlen muss, hat nach Einschätzung des Hamburger Völkerrechtlers Professor Norman Paech weitreichende Folgen. "In Griechenland sind derzeit noch 10.000 weitere Reparationsklagen anhängig. Es geht dabei insgesamt um einen zweistelligen Milliardenbetrag", sagte der Wissenschaftler, der die Kläger juristisch beraten hat, in einem Interview mit dem Hamburger Magazin stern. Die griechische Regierung habe bereits in den 80er Jahren wegen Wiedergutmachung und Entschädigung für derartig furchtbare Massaker, von denen Distomon nur eines gewesen sei, bei der Bundesregierung vorgesprochen. Sie sei damals immer wieder auf die Zeit nach der Wiedervereinigung vertröstet worden, sagte Paech. "Aber auch nach 1990 passierte nichts. Die CDU-FDP-Regierung wie auch die rot-grüne Koalition haben sich weiterhin geweigert, mit den Griechen überhaupt darüber zu sprechen." Den Griechen, so Paech zum stern, gehe es nicht nur um Geld, sondern um Anerkennung der Verantwortung für derartige Verbrechen. "Die SS-Schergen, die 218 Dorfbewohner als Vergeltung für einen Partisanenüberfall töteten, feiern immer noch bei ihren jährlichen Treffen in Marktheidenfeld ihre griechischen Abenteuer und sind nie zur Rechenschaft gezogen worden. Es ist daher höchste Zeit, dass sich die deutsche Regierung bereit erklärt, mit der griechischen Regierung und den Opfern sowie ihren Hinterbliebenen darüber zu reden, was man zur Wiedergutmachung der Taten aus diesem dunklen Kapitel deutscher Geschichte tun kann." Diese Vorabmeldung ist mit Quellenangabe zur Veröffentlichung frei. ots Originaltext: stern Im Internet recherchierbar: http://recherche.newsaktuell.de Für Rückfragen: stern-Nachrichtenredaktion, Tel. 040-3703 3558. Original-Content von: Gruner+Jahr, STERN, übermittelt durch news aktuell

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