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"Ich bin mir der Verantwortung bewusst, erstarre aber nicht vor Ehrfurcht."
stern-Interview mit der neuen CDU-Vorsitzenden Angela Merkel

Die neue CDU-Parteivorsitzende Angela Merkel hat die Deutschen zu höherer Risikobereitschaft aufgefordert. "Ich wünschte mir manchmal, dass unsere Gesellschaft etwas fröhlicher, optimistischer, gelassener zu neuen Ufern aufbrechen würde", sagte sie in einem Interview mit dem Hamburger Magazin stern. Gelegentlich sehne sie sich den "Mut zum Risiko aus der Wendezeit" zurück, so Merkel weiter, die 1990 stellvertretende Regierungssprecherin des letzten DDR-Ministerpräsidenten Lothar de Maizière war. "Eine Stimmung, in der die Dinge offen vor einem liegen und man nicht lange zurückblickt und fragt: Was kostet mich jetzt das alles?" In das neue Amt als CDU-Vorsitzende müsse sie erst hineinwachsen, sagte Angela Merkel. Sie sei sich der Verantwortung bewusst, "erstarre aber nicht vor Ehrfurcht". Natürlich gebe es an sie nun "viel mehr Erwartungen und Wünsche, als ich erfüllen kann. Ich muss versuchen, mich davon nicht erdrücken zu lassen, sondern einfach ich selbst zu bleiben." Ihren Führungstil beschrieb Merkel im stern so: "Freundlich im Umgang und klar in der Sache." Über das Verhältnis zur CSU sagte die neue CDU-Vorsitzende: "Unsere Schwesterpartei meint es ja immer gut mit uns! Das bayerische Wort von "Mir san mir" gilt aber auch für die CDU." Im neuen Führungsteam der Partei werde sich nach dem Ausscheiden von klaren Flügelmännern wie Norbert Blüm "manches auch erst wieder ordnen", sagte die Vorsitzende weiter und fügte hinzu: "Das wird sich hinruckeln in den nächsten Jahren." Zu ihrem Bild in der Öffentlichkeit sagte Merkel: "Wissen Sie, es ist ja ganz witzig, dass man vom unscheinbaren Primelchen oder Gänseblümchen zur Jeanne d´Arc mutieren soll." Dies seien alles Verzerrungen. "Ich fand immer", so die einstige Bundesministerin zum stern, "dass ich sehr selbstbewusst aufgetreten bin und war erstaunt, dass die anderen das nicht fanden. Ich habe nie versucht, mich unscheinbar zu machen." Sie glaube auch, "dass ich die Fähigkeit, mich in Frage zu stellen, nicht verloren habe. Das halte ich für relativ erfreulich. Auch dass ich meinen Humor behalten habe und dass nach wie vor meine Herangehensweise geprägt ist durch das, was ich vor der Politik gemacht habe", sagte die studierte Physikerin. "Ich zehre auch von der Zeit vor der Politik." ots Originaltext: stern Im Internet recherchierbar: http://recherche.newsaktuell.de Für inhaltliche Rückfragen steht Ihnen stern-Redakteur Andreas Borchers, 030/202240, zur Verfügung. Original-Content von: Gruner+Jahr, STERN, übermittelt durch news aktuell

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