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stern: Neue Dokumente widersprechen Schäubles Version in der Parteispenden-Affäre

Hamburg - (ots) - Der CDU-Vorsitzende Wolfgang Schäuble gerät in der Parteispendenaffäre erneut in Erklärungsnot. Dem Hamburger Magazin stern liegt eine eidesstattliche Versicherung des Lobbyisten Karlheinz Schreiber über den genauen Hergang der Spendenübergabe vor. Schreiber erklärt an Eides statt: "Ich war am 22. September 1994 nicht bei Dr. Wolfgang Schäuble und habe ihm zu keiner Zeit eine Spende von DM 100 000 persönlich übergeben." Schäuble hat bisher immer versichert, das Geld am 22. September 1994 von Schreiber persönlich in seinem Bonner Büro entgegengenommen zu haben. Wie es in der eidesstattlichen Versicherung, die der stern am Donnerstag veröffentlicht, weiter heißt, habe die damalige Schatzmeisterin "Frau Brigitte Baumeister am 11. Oktober 1994 einen Umschlag mit einer Spende von 100 000 Mark für Dr. Schäuble erhalten". Baumeister zum stern: "Ich habe keinen Grund, Schreiber zu widersprechen." Dem stern liegen Dokumente vor, die für die Baumeister-Behauptung sprechen, sie habe das Geld erst am 11. Oktober von Schreiber persönlich in Empfang genommen und anschließend an Schäuble übergeben. Darunter ist ein Fax, das Schreiber am 6. Oktober 1994 um 14.22 Uhr in seinem Büro im bayerischen Kaufering erhielt. Der damalige Büroleiter Baumeisters, Jürgen Schornack, teilt darin "im Auftrag von Frau Baumeister" dem "sehr geehrten Herrn Schreiber" mit, dass die Schatzmeisterin am 11. Oktober 1994 in Augsburg eintreffen werde. Ankunft: 10.44 Uhr." Die Abfahrt sei für 14.14 Uhr vorgesehen. Brigitte Baumeister hatte in internen Anhörungen dieses Fax ebenfalls erwähnt und ausgesagt, das Geld bei diesem Treffen in Schreibers Firma in Kaufering in Empfang genommen zu haben. "Dafür habe ich acht Zeugen", betont Schreiber. Allerdings korrigierten sowohl er als auch Baumeister frühere Angaben, wonach die Geldübergabe in München stattgefunden habe. Dabei müsse es sich um eine Verwechslung der Termine gehandelt haben. In einem stern-Interview sagte Schreiber, ihm sei völlig klar, warum Schäuble "so sklavisch an dem Datum hängt: weil er seinen Chef, den Bundeskanzler, belogen hatte. Und davon kommt er nun nicht weg". Sollte er jemals vom Untersuchungsausschuss vernommen werden, dann "möchte ich auch in der Lage sein, die Wahrheit zu sagen. Wenn ich der Version von Herrn Schäuble folgen würde, müsste ich lügen". Kohls Aussage, die der Unterstützung Schäubles dienen sollte, "wird der Todeskuss", sagte Schreiber. Schreiber will es jetzt "meiner Familie und meinen Freunden, aber auch den deutschen Wählern nicht länger zumuten, dass Schäuble die ganze Nation belügt und mich als Gauner und Lügner darstellt". Folgende Meldung ist unter Quellenangabe stern zur Veröffentlichung frei. ots Originaltext: stern Im Internet recherchierbar: http://www.newsaktuell.de Für Rückfragen: stern-Redakteur Norbert Höfler, Tel 040-3703-3774 Original-Content von: Gruner+Jahr, STERN, übermittelt durch news aktuell

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