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stern-Interview mit Außenminister Joschka Fischer: "Kohl hat 16 Jahre ein System gegen Recht und Verfassung organisiert"

Hamburg (ots) - Fischer plädiert für "klare Strukturen" in seiner Partei: "Mir macht es keinen Spaß, als virtueller Häuptling herumzuspuken". Außenminister Joschka Fischer hat im Zusammenhang mit der Parteispendenaffäre scharfe Kritik an Mitgliedern der früheren CDU-geführten Regierung geübt und Ex-Kanzler Helmut Kohl offen kriminelle Machenschaften vorgeworfen. "Auf Bundesebene wurde vom Bundeskanzler und Parteivorsitzenden Kohl 16 Jahre lang ein System organisiert gegen Verfassung und Recht", sagte Fischer in einem Interview mit dem Hamburger Magazin stern, das in der nächsten Ausgabe am kommenden Donnerstag erscheint. "Die CDU ist von ihm und seinen Helfern zum Teil als Geldwaschanlage eingesetzt worden, zum Zwecke des Machterhalts und des Machterwerbs." "Neben diesen niedrigen Instinkten war es auch die Bürgerkriegsmentalität des Kalten Krieges, die wohl vieles gerechtfertigt hat", sagte der grüne Außenminister. Die jetzige Affäre habe "eine andere Dimension" als die Parteispendenaffäre der 80er Jahre, sagte Fischer weiter. Man müsse "erst einmal darauf kommen, aus Flick und Barschel die Konsequenz zu ziehen: Wir eskalieren das noch." Fischer zum stern: "Das haut mich wirklich um." Die alte Sponti-Parole "legal, illegal, scheißegal" sei "offensichtlich für die Bürgerlichen gemacht", so der frühere Frankfurter Straßenkämpfer. Er habe es Ex-Innenminister Manfred Kanther "ehrlich gesagt nicht zugetraut, dass er unsereins an dieser Stelle mal locker auspunkten würde. Das ist so, als würde der Chef von Greenpeace als Mitglied eines mafiösen Kartells zur illegalen Giftmüllentsorgung erwischt werden." Fischer warb auch energisch für eine Reform der grünen Parteiführung mit einer "klaren transparenten Struktur" und "mit klaren Verantwortlichkeiten". Ihm wäre es am liebsten, "der sogenannte heimliche Parteivorsitzende" Fischer würde "in seiner Rolle reduziert" und zwar "auf Regierung und Wahlkampf". Fischer zum stern: "Mir macht es keinen Spaß, als virtueller, heimlicher oder sonstwas grüner Häuptling herumzuspuken. Ich werde ohne ein Amt zu haben für alles und nichts verantwortlich gemacht." Die Grünen müssten "die Verantwortung endlich auf mehrere Schultern packen", so Fischer weiter. "Auch bei uns stellt sich die Frage der Endlichkeit, des Generationenwechsels. Und wir sollten da aus den Fehlern anderer lernen." Diese Vorabmeldung ist mit Quellenangabe zur Veröffentlichung frei. ots Originaltext: stern Im Internet recherchierbar: http://www.newsaktuell.de Für Rückfragen steht Ihnen stern-Redakteur Andreas Borchers unter 030/202240 zur Verfügung. Original-Content von: Gruner+Jahr, STERN, übermittelt durch news aktuell

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