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Westdeutsche Zeitung: Illegale Autorennen - deutliche Antowort gefragt

Düsseldorf (ots) - Rennen mit Kraftfahrzeugen sind verboten. So sagt es § 29 der Straßenverkehrsordnung. Doch diese Vorschrift erreicht sie natürlich nicht - die gemeingefährlichen Fahrer, die ihr Auto zur unkontrollierbaren Waffe machen. Entweder, weil sie sich gezielt zum illegalen Autorennen verabreden. Oder weil es sich eben so ergibt, wenn man zufällig auf einen anderen Selbstdarsteller trifft. Einen, der auch meint, sein Ego durch den Tritt aufs Gaspedal zur Schau stellen zu müssen. Immer wieder kommt es dabei zu Todesfällen, bei denen nicht etwa nur die Raser selbst, sondern auch Dritte zu Opfern werden. Der Fall in Hagen, wo es zwei Kinder, ihre Mutter und einen weiteren Unbeteiligten traf, passierte nur gut einen Monat nach einem viel diskutierten Urteil des Landgerichts Köln. Das hatte zwei Raser mit Bewährungsstrafen nach Hause geschickt, deren spontan verabredetes "Kräftemessen" eine 19-jährige Radfahrerin das Leben gekostet hatte. Fahrlässige Tötung, so der Schuldspruch. Aber ist solch eine Einordnung wirklich vertretbar? Und ist es nicht ein falsches Signal an die Szene, die rechtliche Bewertung so lasch ausfallen zu lassen? Bei Fahrlässigkeit im Straßenverkehr denkt man doch eher an ganz andere Fälle. Dass jemand mal einen Moment nicht aufpasst, und dann ist es passiert. Ein Unfall, vielleicht auch mit Todesopfern - das kann jedem heute oder morgen passieren. Aber die Autorennen, und zwar nicht nur die verabredeten, sondern auch die spontan durchgeführten, haben doch eine ganz andere Qualität. Das Verhalten der Täter, die Russisches Roulette mit ihrem eigenen und dem Leben Unbeteiligter spielen, ist alles andere als fahrlässig: Verkehrsregeln werden sehr bewusst übertreten. Seien es Überholverbote oder eine Überschreitung des Tempolimits um das Doppelte und mehr. Kann es wirklich sein, dass solche Leute gar nicht in Erwägung ziehen, dass ihr Tun Menschenleben gefährdet? Dass es sich um Ignoranten handelt, die nicht daran denken, dass die Raserei durch ganz reale Straßen andere Folgen haben kann als ein Crash bei einem virtuellen Autorennen am Computer? Schwer vorstellbar. Hier dürfte nur ein erhöhter Verfolgungsdruck der Polizei auf die Szene helfen. Und deutlich spürbare Sanktionen auch in den Fällen, in denen es - ganz ohne das Verdienst der Raser, sondern aus glücklicher Fügung - nicht zu so schlimmen Folgen kommt wie in Köln oder Hagen.

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