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Westdeutsche Zeitung: Der Profi-Fußball wird immer vorhersehbarer

Düsseldorf (ots) - Als der FC Schalke 04 in der vergangenen Saison im Achtelfinale der Champions League gegen Real Madrid spielen musste, war das eine ernüchternde Angelegenheit. 1:6 in Gelsenkirchen, 1:3 in Madrid. 2:9-Tore, ein Ausscheiden und die Erkenntnis: Das königliche Real und Schalker Königsblau haben sich weiter voneinander entfernt als je zuvor. Distanz, die wohl auch das gestern ausgeloste erneute Duell im Februar 2015 prägen wird. So wie Schachtjor Donezk nicht mit dem FC Bayern konkurrieren wird können. Man muss nicht alle Chancen der sechs (!) vertretenen deutschen Clubs in Champions und Europa League analysieren, um die Tendenz zu erkennen: Im europäischen Geschäft sortiert sich der Erfolg zunehmend anhand der finanziellen Möglichkeiten seiner Bewerber: Barcelona, Real und Atletico in Spanien, Manchester City und der FC Chelsea in England, Paris St. Germain aus Frankreich, Bayern und Dortmund in Deutschland - andere Kandidaten kommen kaum noch infrage, wenn es am Ende um große Titel, das ganz große Geld und die stetig wachsenden Zukunftspotenziale geht. Der Rest Europas ist abgehängt, ab und an schafft es ein Exot wie der FC Basel noch ins Achtelfinale, dessen Erreichen für viele Clubs ob der erklecklichen Zusatzeinnahmen ein Segen, aber zugleich auch sichere Endstation ist. Ein Abbild dieser europäischen Verhältnisse ist längst auch die deutsche Bundesliga, in der die finanziellen Möglichkeiten das Tableau regeln. Ausnahmen wie der Höhenflug Augsburgs und der tiefe Fall Dortmunds sind die letzten heiß diskutierten Themen einer Liga, in der der manifestierte Tabellenführer FC Bayern nach 15 Spieltagen drei (!) Gegentore und keinen wirklichen Gegner hinnehmen musste. Die nationale Ungläubigkeit, mit der Dortmunds Sturz in den Tabellenkeller wahrgenommen wird, beweist nur, was der Betrachter als Standard erkennt: Wo das Geld, da der Erfolg. Der von Audi reichhaltig subventionierte FC Ingolstadt dringt mit Macht aus der 2. Liga in die Beletage, schon bald wird der finanzkräftige RB Leipzig folgen. Der Fußball wird immer vorhersehbarer. Das wird sich irgendwann rächen.

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