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Westdeutsche Zeitung: Kirche zwischen Anspruch und Wirklichkeit = von Ekkehard Rüger

Düsseldorf (ots) - Missionarisch Volkskirche sein, schon dieses Selbstverständnis der Evangelischen Kirche im Rheinland wird Widerspruch hervorrufen - vorzugsweise bei denjenigen, die mit dem Begriff Mission noch immer nur in erster Linie düstere Vorkommnisse der Kirchengeschichte und aufdringliches religiöses Werben verbinden. Dabei kann Mission, also Sendung, auch ganz schlicht als Hinwendung zur Welt begriffen werden: Christlicher Glaube nicht als frommes Kreisen um sich selbst, sondern als Auftrag zu einer Lebenspraxis, die nach außen wirkt und sichtbar wird durch mitmenschliches Tun. Und das wiederum wird von Kirchen ja gemeinhin eingefordert. Aber die rheinische Landeskirche muss damit rechnen, dass ihr der formulierte Anspruch auch von den eigenen Mitgliedern um die Ohren gehauen wird. Missionarisch Volkskirche sein in einer Zeit des zunehmenden religiösen Analphabetismus - und dann Millionenkürzungen im Bildungsbereich? Missionarisch Volkskirche sein in einer rastlosen Tempogesellschaft - und dann spirituelle Rückzugsräume wie das Haus der Stille aufgeben? So sehr die Kirchenleitung sich auch bemüht, das zweite Sparpaket einzubetten in eine Vision von der Kirche der Zukunft, so wenig wird sie damit Verletzungen und enttäuschtes Abwenden verhindern können. Die große Einmütigkeit, mit der die Landessynode den Kurs von Präses Manfred Rekowski bisher mitgetragen hat, täuscht darüber hinweg, dass unter Kirchenmitarbeitern Hilf- und Ratlosigkeit derzeit zu den prägenden Gemütslagen zählen. Ob die (gerne auch kirchlich verwendete) Hohlformel von der Chance in jeder Krise am Ende des unausweichlichen Schrumpfprozesses möglicherweise doch noch mit Sinn gefüllt werden kann, hängt vor allem davon ab, ob nach der nötigen Diskussion um Sinn und Unsinn all der finanziellen Einschnitte noch etwas spürbar bleibt von der frohen (!) Botschaft, auf die sich die Christen immer wieder berufen. Die Kirche von morgen muss nicht alles tun, was wünschenswert wäre. Aber das, was sie tut, sollte sie nicht nur im Geist des kirchlichen Finanzcontrollings, sondern mit frohem Herzen tun. Missionarisch eben.

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