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Westdeutsche Zeitung: Darum zeigen wir die Terror-Bilder nicht = von Ulli Tückmantel

Düsseldorf (ots) - Wie sollen Medien mit Bildern und Videos umgehen, die die absichtlich grausame und gezielt erniedrigende Ermordung eines Menschen zeigen, und die von seinen Mördern zu Propaganda-Zwecken verbreitet werden? Soll man so zurückhaltend wie möglich Standbilder aus den Terror-Videos verwenden? Weil sie zeitgeschichtliche Ereignisse dokumentieren? Oder soll man ganz auf sie verzichten? Der US-Journalist Steven Sotloff wurde - wie vor ihm bereits James Foley - von den Terroristen des "Islamischen Staats" aus einem einzigen Grund enthauptet: Es geht den IS-Terroristen ausschließlich darum, die Bilder dieser Mord-Inszenierung weltweit verbreiten zu können. Deshalb wurden Sotloff und Foley nicht wie Tausende andere Opfer der IS verstümmelt, gefoltert und ermordet, sondern ihre bestialische Tötung für Videos inszeniert. Im Fall von James Foley entschied das ZDF-"heute journal", ein unverpixeltes Standbild Foleys aus dem Mord-Video zu zeigen, "weil die gefasste Haltung von James Foley angesichts seines Todes eine Würde ausstrahlt, die den fanatischen Killern neben ihm unbegreiflich geblieben sein muss." Das ist, mit Verlaub, eine abenteuerliche Ausrede. Diese Bilder, die Angst und Schrecken schüren sollen, sind Teil der täglichen Kriegserklärung der IS-Terroristen gegen die Zivilisation. Wie schon das Terror-Netzwerk Al Kaida, das jahrelang mehr Videos drehte als Sprengstoff-Anschläge zu verüben, nutzt der IS die Verbreitung von Gräuel-Bildern über westliche Medien als Teil seiner Strategie. Wer diese Bilder verbreitet, verwirklicht die medienstrategischen Ziele des IS und macht sich somit zum Helfershelfer von Terroristen. Und er liefert dem IS damit Gründe, weitere Geiseln vor laufender Kamera zu ermorden. Wem das Argument der Helfershelferschaft nicht ausreicht, das stärker wiegen sollte als die Verlockung von Einschaltquoten und Klickzahlen, der könnte sich daran erinnern, dass die Mörder diese Bilder angefertigt haben, um die Menschenwürde und die Persönlichkeitsrechte von James Foley und Steven Sotloff mit Füßen zu treten. Darum werden wir die Terror-Bilder des IS in dieser Zeitung nicht zeigen.

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