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Westdeutsche Zeitung: Die Reaktion der trägen Masse = von Werner Kolhoff

Düsseldorf (ots) - Am Fall Irak zeigt sich wieder: Der Westen ist im Kampf gegen den radikalen Islamismus und andere Gefahren eine träge Masse, die nur sehr langsam reagiert. Das hat unterschiedliche Gründe. Der Westen schreit erst auf, wenn er Blut sieht, viel Blut. Wenn sich eine Empörungswelle gebildet hat. Erst dann ist er bereit, Opfer zu bringen. Das ist normal, denn die betroffenen Länder scheinen weit weg zu sein. Umso mehr müssten aber die Regierungen und ihre Geheimdienste auf der Hut sein. Sind sie aber nicht.

Im aktuellen Fall haben gleich mehrere Faktoren dafür gesorgt, dass lange weggesehen wurde. Der eine: US-Präsident Obama wollte sich durch ein entschlossenes "Raus aus dem Irak" von seinem Vorgänger absetzen. Der andere: Europa schafft keine gemeinsame Außen- und Sicherheitspolitik. Der Konflikt mit Russland kam als dritter Faktor hinzu. Und dann ist da noch das Sonderproblem Deutschland. Hier gibt es die Kultur der Friedfertigkeit und die alleinige Kompetenz des Bundestages für Auslandseinsätze. Beides aus gutem Grund.

Aber unter dieser Begründungsdecke hat sich eine beträchtliche Gemütlichkeit breitgemacht, die Neigung, nach allem zu suchen, nur nicht nach eigenen Aktionsmöglichkeiten. Sie geht so weit, dass sogar die Lieferung von nicht tödlichen Militärgütern an die verzweifelt kämpfenden Kurden jetzt wieder zerredet und verzögert wird. Das ist beschämend. Dafür hört man in diesen Tagen von Politikern aller Parteien, schließlich hätten die USA den Irak-Schlammassel selbst verursacht, dann sollten sie ihn nun auch abräumen. Als ob es nicht jenseits des Fehlers von George W. Bush eine gemeinsame Verantwortung gibt, die Jesiden und Christen vor den Fanatikern zu retten, als ob es nicht das gemeinsame Interesse ist, kein Islamisches Kalifat zu dulden, das irgendwann mit seinen Bomben auch unsere Bahnen, Busse und Städte erreicht. Schon jetzt schauen die Behörden hilflos zu, wenn IS-Sympathisanten auf hiesigen Straßen mit ihren Fahnen auftreten und ihren Krieg gegen Andersgläubige verbal austragen. Auch das ist beschämend. Wenn der Westen nicht koordinierter, entschlossener und schneller auftritt, wird seine Lebensweise in Gefahr geraten.

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