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Westdeutsche Zeitung: Wir brauchen eine Debatte über Sterbehilfe = von Ulli Tückmantel

Düsseldorf (ots) - Mag sein, Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) hätte vor Beginn der wichtigsten gesellschaftspolitischen Debatte dieses Herbstes gern erst noch in der ihm eigenen Gemütsruhe das große Neusser Schützenfest gefeiert, aber daraus wird nichts. Mit seinem Vorstoß zur Sterbehilfe hat Bundestagsvizepräsident Peter Hintze (CDU) die Sommerpause beendet. Dafür wird die Mehrheit in der CDU-Bundestagsfraktion dem Wuppertaler möglicherweise nicht spontan dankbar sein. Doch dazu hätte sie - wie bereits vor einigen Jahren in der Debatte um die Präimplantationsdiagnostik (PID) - allen Anlass. Denn heute wie damals weicht der evangelische Theologe Hintze besonnen und mit klugen Argumenten vom harten Ablehnungs-Kurs innerhalb der Fraktion ab. Wie auch immer man zu der Frage stehen mag, in einem Punkt hat Peter Hintze recht: Es braucht eine breite gesellschaftliche Debatte. Und in dieser Debatte darf es nicht nur um Mehrheiten gehen. Sie muss tragfähige Antworten auf die Not der Menschen finden. Einfacher darf man es sich in dieser wichtigen ethischen Frage nicht machen. Gröhe lehnt jede Form von geschäftsmäßiger und organisierter Sterbehilfe ab. Alles andere berge die Gefahr, Ärzte zu "Dienern des Todes" zu machen, so Gröhe. Dies fürchtet auch Ärzte-Chef Frank Ulrich Montgomery. Zu Gröhes Verbündeten innerhalb der CDU gehören der Fraktionschef Volker Kauder und der unheilbar an Krebs erkrankte Wolfgang Bosbach. Zumindest Bosbach weiß, dass die Mehrheit der CDU-Fraktion keineswegs die Mehrheitsmeinung der Deutschen vertritt, die sich in Umfragen immer wieder deutlich für die Legalisierung aktiver Sterbehilfe aussprechen. In den Personen von Gröhe und Hintze spiegelt sich auch die Bandbreite der Diskussion innerhalb der evangelischen Kirche; Gröhe ist immerhin Mitglied der Synode der EKD. Vor Hintze hatte vor allem der scheidende EKD-Ratsvorsitzende Nikolaus Schneider eine Abkehr von einer harten Linie vollzogen, als er mit Blick auf seine krebskranke Frau erklärte, er werde sie begleiten, wenn sie "das Geschenk des Lebens an Gott zurückgeben" wolle.

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