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Westdeutsche Zeitung: Der Frieden, den keiner gebrauchen kann = von Peter Lausmann

Düsseldorf (ots) - Am Frieden im Gaza-Streifen ist derzeit keine der beiden Konfliktparteien wirklich interessiert. Es wird zwar in Kairo gesprochen, und Israel zieht seine Truppen ab. Mehr als ein taktischer, ein zeitweiser Rückzug kann es allerdings nicht sein. Zu deutlich herrscht in Israel die Meinung vor, dass der Waffengang gegen die islamistische Hamas entweder nicht erfolgreich war oder zumindest noch nicht beendet ist: Zwar wurden zahlreiche Kämpfer getötet sowie Tunnel und Raketen zerstört. Von der angestrebten Entmilitarisierung des Gazastreifens ist die israelische Armee allerdings Lichtjahre entfernt. Die Lage ist für den Südwesten Israels unverändert: Der Gaza-Streifen stellt eine Gefahr da. Das hat die Hamas mit den Raketenabschüssen kurz vor Beginn der Waffenruhe deutlich unterstrichen. Deshalb ist es nur eine Frage der Zeit, bis der Konflikt fortgesetzt wird - zumal die Geduld und Leidensfähigkeit der Israelis erschöpft sind: Bereits vor dem Konflikt war die Meinung in Israel nach rechts gerückt. Der Falke im Amt des Regierungschefs, Benjamin Netanjahu, hat für seine Offensive so viel Rückhalt wie nie - in der eigenen Partei gehört er schon fast zu den Liberalen. Denn seit die Stabilität in den arabischen Staaten erodiert und Islamisten die Initiative ergreifen, wächst in Israel das Bewusstsein, dass es schnell um alles gehen könnte. Es muss nicht der große Krieg mit dem Iran sein, auch zu viel Schwäche gegenüber der Hamas kann Israel gefährden. Nein, Israel will diesmal die Entscheidung und nimmt dabei in Kauf, dass völlig unabsehbar ist, wie diese aussehen könnte und welche Folgen sie für die fragile Balance im Nahen Osten hat. Dass es in Israel keine Opposition gegen den Krieg mehr gibt, liegt aber auch an der Radikalität der Hamas, die willentlich ihre eigenen Menschen opfert. Sie bezieht ihre Macht - auch im palästinensischen Lager gegenüber der Fatah - aus dem radikalen Kampf gegen die Israelis. Provokation, Angriffe und stilisiertes Märtyrertum vertuschen, dass die Hamas ein Land nicht konstruktiv regieren kann, sondern nur mit Hilfe von Terror nach innen und nach außen. Auch wenn in Kairo gesprochen wird, schützen sich derzeit beide Seiten, indem sie für den nächsten Krieg rüsten.

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