Westdeutsche Zeitung

Westdeutsche Zeitung: Was dürfen Frieden und Freiheit kosten? = von Lothar Leuschen

Düsseldorf (ots) - Die Bilanz ist ernüchternd, sowohl, was die Zahlen als auch, was die Wirkung von Geld angeht. 25 Jahre nach dem Fall der Mauer sind unvorstellbare Summen von West nach Ost geflossen. 2000 Milliarden Euro haben es sich die verschiedenen Bundesregierungen kosten lassen, die fünf neuen deutschen Bundesländer auf das Niveau der elf alten zu bringen. 2000 Milliarden Euro - das ist der Gegenwert von fast 300 neuen Berliner Flughäfen oder beinahe 4000 Wuppertaler Schwebebahnen. Das ist für Bürger und Steuerzahler nicht mehr greifbar. Dabei sind sie es, die das Geld für den Aufbau Ost aufgebracht haben und aufbringen. Sie bezahlen die Steuern, mit denen die Regierungen Straßen und Gebäude zwischen Rostock und Zwickau herrichten ließen und lassen. Sie speisen die Töpfe der EU, aus denen wiederum die Förderungen bedürftiger Regionen auch in Ostdeutschland bezahlt werden. Und sie verstehen nicht, dass zwei Billionen Euro nicht ausreichen sollen, fünf Bundesländer auf Vordermann zu bringen. Noch unverständlicher ist, dass die vollständige Angleichung trotz der immensen Summen wahrscheinlich nie flächendeckend erreicht werden wird. Dabei reicht für diese Erkenntnis schon der Blick vor die eigene Haustür. Die Lebensverhältnisse etwa in der Eifel werden nie dieselben sein wie zum Beispiel in Düsseldorf. Im Ruhrgebiet wird keine Stadt jemals die Dynamik von München oder Köln entwickeln können. Deshalb fordern an der Ruhr, aber auch im Bergischen Land oder am Niederrhein so viele Kommunen zu Recht mehr Unterstützung aus Berlin und aus Brüssel ein. Im 25. Jahr des Mauerfalls ist es Zeit, wieder daran zu erinnern, dass sich vor 26 Jahren noch Deutsche und Deutsche hochgerüstet, waffenstarr an einer tödlichen Grenze gegenüberstanden. Es ist Zeit, sich die Frage zu stellen, was Frieden und Freiheit kosten dürfen. Ebenso ist es aber Zeit, die neuen Bundesländer nicht mehr getrennt von darbenden Regionen in den alten Bundesländern zu betrachten. Geld muss endlich nach Bedarf fließen und nicht nach Himmelsrichtung. Wenn das geschieht, verschwindet der Begriff "Aufbau Ost". Und dann ist es nicht mehr weit bis zur Deutschen Einheit.

Pressekontakt:

Westdeutsche Zeitung
Nachrichtenredaktion
Telefon: 0211/ 8382-2370
redaktion.nachrichten@wz.de
www.wz.de

Original-Content von: Westdeutsche Zeitung, übermittelt durch news aktuell

Weitere Meldungen: Westdeutsche Zeitung

Das könnte Sie auch interessieren: