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Westdeutsche Zeitung: Rauchverbot = von Anne Grages

Düsseldorf (ots) - Proteste, Demonstrationen bis in den Herbst hinein, Streikdrohungen von Wirten: Als vor einem Jahr das absolute Rauchverbot in Kraft trat und Schluss machte mit all den bizarren Ausnahme-Regelungen, kochten die Emotionen hoch, dass es nur so qualmte. Das Aktionsbündnis "NRW genießt" stieß 2013 ein Volksbegehren gegen das Gesetz an, jetzt rüstet man sich zum zweiten Anlauf. Karl-Josef Laumann, damals CDU-Fraktionschef im Landtag, gehörte zu denen, die die Entmündigung freier Bürger anprangerten. Manche prophezeiten, dass demnächst für Übergewichtige die Pommes Frites rationiert werden, weil der Gesundheitsschutz dem Staat als Blankovollmacht für Eingriffe ins Privatleben dienen könnte. Mittlerweile hat sich die Aufregung in reine und rauchfreie Luft aufgelöst - nicht ganz so schnell wie zuvor in anderen europäischen Ländern von Irland bis Italien, die als Hardcore-Raucher-Bastionen galten. Ein konsequentes Rauchverbot war in Deutschland überfällig. Wer heute durch die Kneipenviertel in NRW geht, sieht drinnen und draußen friedliche Gäste. Die Ordnungsämter registrieren wegen unerlaubten Quarzens oder Lärmbelästigung der Nachbarn nicht mehr Beschwerden als vorher. Landauf, landab heißt es: Die Umstellung lief problemlos. Das Rauchverbot wirkt: Weil man sich nirgendwo in Büros, öffentlichen Gebäuden, Gaststätten und Verkehrsmitteln eine Zigarette anstecken darf, wird insgesamt weniger geraucht. Insbesondere bei den Jugendlichen ist der Anteil der Raucher in den vergangenen zehn Jahren drastisch gesunken: von knapp 30 Prozent auf gut zehn Prozent. Rauchen ist nicht mehr schick, sondern lästig. Und die durchschnittlich 3300 Menschen, die bisher jedes Jahr als Folge des Passivrauchens gestorben sind, können noch lange weiterleben. Der Nichtraucherschutz schreibt eine Erfolgsgeschichte - nur die Kneipenwirte können sich dem Frohlocken nicht anschließen, ihnen bricht der Umsatz weg. Doch das traditionelle Herrengedeck hatte es schon vorher schwer gegen den modischen Caffe Latte. So unschön es für den Einzelnen ist: Das Gesetz hat die Entwicklung durch das veränderte Freizeitverhalten lediglich beschleunigt.

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