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Westdeutsche Zeitung: Inflationsrate - Das Gespenst ist kleiner als es scheint Ein Kommentar von Peter Kurz

Düsseldorf (ots) - Die Teuerungsrate sinkt nun auch in Deutschland auf ein Prozent. Und das soll - wie manch einer warnt - ein Unheil sein? Schließlich bleibt unser Portemonnaie gefüllt, und auch der Sparer muss sich nicht mehr so arg über die niedrigen Zinsen ärgern, weil der Wert seines Vermögens langsamer schmilzt.

Dass sinkende Preise Anlass zu Schreckensszenarien geben, hat diesen Hintergrund: Der Verbraucher, der mit weiterem Preisrückgang rechnet, schiebt den geplanten Kauf der Waschmaschine auf. Im Vertrauen darauf, dass sie im nächsten Monat billiger sein wird. Mit ihm warten Millionen andere Kaufwillige - nicht nur hinsichtlich Waschmaschinen - ab. Die Prophezeiung erfüllt sich. Die Anbieter, die ihre Ware loswerden wollen, gehen mit dem Preis runter. Der Schnäppchenjäger aber ist eiskalt und wartet weiter ab. Bei gleichbleibenden fixen Kosten geraten die Anbieter ins Schlingern - und mit ihnen ihre Arbeitnehmer.

Dieses Deflationsszenario passt aber nicht so recht zu der Situation, die wir in Deutschland haben. Denn wo sinken denn die Preise besonders? Bei Heizöl und Kraftstoffen. Doch welcher Autofahrer verschiebt schon heute eine Fahrt, weil das Benzin morgen noch etwas billiger ist?

Mal abgesehen davon, dass wir lange genug über die Spritkosten geklagt haben: Wenn diese nun sinken oder die Lebensmittelpreise nicht mehr so stark steigen wie zuvor, hat dies doch keinen Einfluss auf eine Abwartehaltung des Verbrauchers bei langlebigen Wirtschaftsgütern. Vielleicht ist es ja gerade umgekehrt: Er nutzt den Vorteil, um anderweitige Kaufwünsche zu realisieren. Viel entscheidender für die Konsumlust ist, dass die Verbraucher überhaupt genug Geld in der Tasche haben. Durch wachsende Einkommen und aufgrund niedriger Arbeitslosenzahlen.

Gewiss müssen Deflationsgefahren von der Zentralbank genau im Blick gehalten werden. Doch allein mit dem Pumpen billigen Geldes in den Kreislauf ist es nicht getan - wenn dieses in die Spekulation (siehe boomende Aktienmärkte) statt in den Konsum fließt. Billiges Geld für Banken darf es nur geben, wenn sie sich im Gegenzug verpflichten, dieses an Unternehmen für Investitionen oder an Konsumenten weiterzugeben.

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