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Westdeutsche Zeitung: Barmer GEK will mit weniger Service seine Mitglieder halten = von Tanja Henkel

Düsseldorf (ots) - Ganz in der Nähe - wir sind für Sie da, wenn Sie uns brauchen. Mit diesem Slogan wirbt die Barmer GEK für sich. Bislang war die Geschäftsstellendichte ein Pluspunkt, ein Grund, weshalb sich der Versicherte für die Barmer GEK entscheiden sollte. Doch das ist jetzt Schnee von gestern. Kundenservice gibt es künftig vielfach nur noch via Telefonhotline und Internetportal. Das Unternehmen will durch Personalabbau und Geschäftsstellenschließungen jährlich bis zu 300 Millionen Euro einsparen und verkauft dies noch als innovative Neuerung für die Versicherten. Dabei ist dieser Einschnitt nur dem demografischen Wandel geschuldet. Die Menschen werden immer älter, und die Zahl der Beitragszahler wird immer geringer. Die Kasse muss folglich mit weniger Einnahmen und höheren Ausgaben rechnen. Wer im Wettbewerb der 132 Anbieter bestehen möchte, muss sich deshalb etwas einfallen lassen. Laut Experten werden die meisten diesem Wandel mit höheren Beiträgen entgegentreten - die Barmer will das nicht. Aber ob ihr Weg eher vom Wechsel in eine andere Kasse abhält, ist zu bezweifeln. Schließlich ist gerade für die ältere Generation, die den Hauptanteil der Versicherten ausmacht, beispielsweise das Internet keine Alternative zum Gang in die Geschäftsstelle. Die Barmer GEK und alle anderen Krankenkassen müssen sich die Frage gefallen lassen, wieso sie nicht besser vorbereitet sind. Dass unsere Bevölkerung überaltert, ist hinlänglich bekannt. Wieder einmal wird ein Versäumnis auf dem Rücken der Versicherten ausgetragen, sei es durch höhere Beiträge oder geringeren Service. Das Ganze wird noch ärgerlicher, wenn man sich die Milliarden-Rücklagen der Kassen, die zum Teil durch die zehn Euro Praxis-Gebühr angehäuft wurden, in Erinnerung ruft. Im deutschen Gesundheitssystem muss sich deshalb grundsätzlich etwas ändern. Dafür muss die Bundesregierung sorgen. Nicht die Kosten und Reserven dürfen im Vordergrund stehen, sondern die bestmögliche gesundheitliche Versorgung der Bevölkerung. Natürlich ist das teuer, aber das sollte es der Bundesregierung Wert sein. Es gibt genug Posten im Haushalt, die weniger sinnvoll sind.

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