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Westdeutsche Zeitung: Wirbel um EU-Empfehlung zu Hartz IV für Zuwanderer - Steilvorlage aus Brüssel Ein Kommentar von Stefan Vetter

Düsseldorf (ots) - Deutschland ist ein ausländerfreundliches Land. Mehr als zwei Drittel der Bundesbürger begrüßen nach einer Umfrage, dass qualifizierte Arbeitskräfte aus anderen Staaten zu uns kommen. Die Ansicht, wonach Deutschland kein Einwanderungsland sei, hat längst ausgedient. Ungefähr genauso viele Bundesbürger, nämlich 70 Prozent, sagen aber auch, dass Zuwanderer, die sich nicht um einen Job bemühen, unser Land wieder verlassen sollten.

Das eine erwächst aus dem anderen. Denn warum sollte ein Nicht-Deutscher, - sofern er keine politische Verfolgung erleiden musste - von einem Sozialstaat profitieren, zu dem er rein gar nichts beigetragen hat? Was so einleuchtend klingt, scheint für manche Eurokraten in Brüssel allerdings weniger plausibel zu sein. Die EU-Kommission empfiehlt jetzt, dass die deutschen Behörden jeden Einzelfall auf eine Belastung der deutschen Sozialsysteme hin überprüfen müssten. Dadurch würde ein neues Bürokratiemonster entstehen. Und wohl auch eine Menge Ungerechtigkeit, denn jede Entscheidung wäre eine Ermessensfrage der jeweiligen Jobcenter.

Die Idee ist auch dazu angetan, die Europa-Skepsis weiter anzuheizen. Politische Gruppierungen wie die Euro-kritische AfD dürften sich die Hände reiben über die Steilvorlage aus Brüssel. Immerhin wird im Mai ein neues Europa-Parlament gewählt. Der Vorstoß ist aber auch Wasser auf die Mühlen der CSU, die das Thema Armutszuwanderung vor allem unter populistischen Gesichtspunkten am Kochen hält. Zur Erinnerung: EU-Ausländer, die in Deutschland keiner Arbeit nachgehen, sind vom Hartz-IV-Bezug ausgeschlossen. Erst wenn ein Arbeitsverhältnis zustande kommt, aber nach kurzer Zeit unverschuldet endet, besteht ein solcher Anspruch. So legt es das Sozialgesetzbuch fest.

Die Bundesregierung hat klargestellt, dass die Sozialsysteme eine nationale Angelegenheit sind. Bei allen Vorteilen der Arbeitnehmerfreizügigkeit, von denen besonders Deutschland profitiert - kein Staat der EU kann sich einen Missbrauch seiner Sozialkassen leisten. Weder politisch noch finanziell. Schließlich werden sie von den Bürgern der jeweiligen Staaten gefüllt.

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