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Westdeutsche Zeitung: Die Geister, die der Fußball rief = Von Christoph Fischer

Düsseldorf (ots) - Nach Tumulten in den Arenen des Fußballs ist der öffentliche Aufschrei immer groß. Kaum eine Gruppierung, die sich nicht artikuliert, wenn in den Stadien Krawalle zu beklagen sind. Das ist der Normalfall. Nicht mehr, nicht weniger. Im Fußball geht es immer um Emotionen. In der Relegation geht es aber um viel mehr. Oft genug um die Zukunft von Vereinen, auf jeden Fall geht es um viel Geld. Emotionen können gelegentlich außer Kontrolle geraten. Das ist an sich nicht unbedingt besorgniserregend, beim Massenphänomen Fußball kann das aber schnell zum Problem werden. Der Profisport folgt der Eventkultur moderner Großveranstaltungen. Als Tausende in der Düsseldorfer Arena den Rasen stürmten, waren das Krawallmacher, aber eben auch Menschen, die gar nicht unbedingt Krawall machen wollten. Viele fotografierten ihre Auftritte, Frauen und Kinder, und stellten die Bilder online. Als Beweis, dabei gewesen zu sein. Was die Sache nicht harmloser macht. Wenn der Deutsche Fußball-Bund und die Deutsche Fußball Liga jetzt nach neuen Wegen suchen, das Problem in den Griff zu bekommen, wird man das alles berücksichtigen müssen. Man wird berücksichtigen müssen, dass Fußballspiele eine soziale Bühne sind. Und ein Produkt der Unterhaltungsindustrie. Dass der Aufstieg der Düsseldorfer Fortuna nach 15 Jahren durch diese Vorfälle infrage gestellt wird, ist bedauerlich. Dennoch ist die Frage berechtigt, ob der Verein seiner Sorgfaltspflicht gerecht geworden ist. Auf jeden Fall bleiben Fragen offen. Und trotzdem gehen die Reaktionen und die damit verbundenen Forderungen über Allgemeinplätze meist nicht hinaus, weil es noch keine Patentrezepte gibt, wie man derlei Ungemach dauerhaft vermeiden kann. Unmissverständlich klar ist, dass Krawallmacher keine Chance haben dürfen. Klar ist aber auch, dass Sport und Politik neue Antworten finden müssen. Betroffenheitsrhetorik und Runde Tische reichen nicht. Vielleicht sollte Fußball einfach wieder nur Sport sein. Und keine Unterhaltungsmaschine. Von gewieften Managern zur Gewinnmaximierung kultiviert. Der Bogen scheint überspannt, die Geister, die der Fußball rief, wird er nicht mehr los.

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