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Westdeutsche Zeitung: Das starke Geschlecht schwächelt Von Christoph Lumme

Düsseldorf (ots) - Scheitern ist männlich. Arbeitslosigkeit, Kriminalität, Sucht, Selbstmorde, Unfälle und Schulversagen - das angeblich starke Geschlecht dominiert die dunklen Seiten des Lebens. Ist das Maskuline ein Auslaufmodell der Geschichte? Sind die Herren der Schöpfung zu Opfern der Moderne geworden, die sich zwischen den Fronten eines aktiven Vaterdaseins und einer erbarmungslosen Leistungsggesellschaft aufreiben? In der Geschichte ist es kein Novum, dass Männer früher sterben als Frauen. Doch die Ursachen haben sich gewandelt. Heute sind es nicht mehr Kriege und Schindereien, die Männern zusetzen, sondern Stress, Ignoranz gegenüber dem eigenen Körper und der Verlust alter Rollengewissheiten. Tatsächlich lässt sich die Grönemeyersche Frage "Wann ist Mann ein Mann" kaum noch schlüssig beantworten. Das Experiment der 70er Jahre, das Maskuline als latzhosigen Softie neu zu definieren, ist gescheitert. Aber auch die Versuche, über Testosteron-Beschwörungen ein starkes Selbstverständnis zu kreieren, waren wenig erfolgreich. Und so fühlen sich viele Männer fremd in einer komplexen Wissensgesellschaft, die von ihnen Sensibilität, Flexibilität und Selbstverantwortung verlangt. Als Folge ziehen sie sich auf das alte Rollenklischee der unverwundbaren Kampfmaschine zurück, die getrost alle körperlichen Warnsignale missachten darf. Und Hilfestellung auf dem Weg zu einem positiveren Selbstbild ist derzeit kaum zu erwarten. Die neue politische Strategie des "Gender Mainstreaming" gaukelt der Öffentlichkeit zwar vor, die herkömmliche Frauenpolitik werde abgelöst zugunsten eines Konzepts, das beide Geschlechter berücksichtigt. Hinter den Kulissen jedoch wirken noch immer dieselben weiblichen Gleichstellungsbeauftragten, die ihr Geld in Frauenprogramme investieren und den maskulinen Teil der Bevölkerung ignorieren. Fazit: Politik, Gesundheitsversorger und Bildungssystem müssen die Belange der Männer künftig stärker berücksichtigen. Vor allem aber müssen die maskulinen Modernisierungsverlierer selbst ihre Lebensstile, Gewohnheiten und Ideale auf den Prüfstand stellen. Dann sollte es eines Tages wenigstens möglich sein, dass Männer ihre Körper besser kennen als ihre Autos

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