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Westdeutsche Zeitung: Studienanfänger in NRW = Von Frank Uferkamp

Düsseldorf (ots) - Die Zahlen aus dem Hochschulministerium sind beunruhigend: Etwas weniger als ein Drittel aller Berechtigten nimmt in Nordrhein-Westfalen ein Studium auf. Das ist im bundesweiten Vergleich beschämend wenig. Der Blick nach Bayern oder auch ins vermeintlich so strukturschwache Rheinland-Pfalz zeigt: Die anderen Länder weisen ganz andere Zahlen auf, bilden den akademischen Nachwuchs aus, der für eine gute Entwicklung des Standorts dringend notwendig ist. Diese Entwicklung ist atypisch. Denn noch ist Nordrhein-Westfalen mit seinen großen Energieerzeugern und Stahlproduzenten, mit den Logistikern und den anderen Dienstleistern ein herausragender Wirtschaftsstandort. Aber augenscheinlich gelingt es hier nicht, ein geeignetes Hochschulumfeld zu schaffen. Allzu vieles an den Unis ist bestenfalls Durchschnitt, der Standort Aachen als Kaderschmiede der Ingenieure die große Ausnahme. Die rot-grüne Landesregierung sieht in den Studiengebühren den Hauptgrund für die Zurückhaltung der Studenten. Das greift zu kurz, denn auch in Bayern müssen Studierende zahlen, während Rheinland-Pfalz tatsächlich von der Gebührenfreiheit profitiert. Doch es kommt eben auf die Qualität des Angebots an. Bayern hat nicht nur in München Hochschulen von herausragendem Ruf, da ist die Gebühr eine tatsächliche Investition. In NRW ist sie oftmals eine bloße Abgabe, die eher widerwillig geleistet wird, weil es kaum einen sichtbaren Gegenwert gibt. Im gegenteil: Die Hörsäle sind vielerorts immer noch überfüllt, das Zahlenverhältnis Professor pro Student unverändert schlecht. Zu Recht steht die Schulpolitik derzeit im Mittelpunkt der landespolitischen Auseinandersetzung. Dort werden unverändert viele Millionen in die Hand genommen, um neue Lehrer einzustellen. Das ist gut und richtig so. Doch dann muss die Brücke ins Studium gebaut werden. Da hat der alte Hochschulminister Andreas Pinkwart schon wichtige Weichen gestellt, indem er den Wettbewerb zwischen den Unis beförderte und so manchen Rektor aufweckte. Dahinter darf auch die neue Regierung nicht zurückfallen. Reines Lamentieren hilft da nicht weiter. Konzepte sind gefragt.

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