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Westdeutsche Zeitung: Konsumfreudigkeit = von Martin Vogler

Düsseldorf (ots) - Oft muss man von außen auf Deutschland schauen, um besser zu verstehen, was bei uns passiert. Wir selbst nehmen nur mit verhaltener Freude zur Kenntnis, dass in den Köpfen der Verbraucher die Krise viel schneller als vorhergesagt überwunden ist, so dass sie dank ihres Konsums die Wirtschaft stark ankurbeln. Im nächsten Schritt wägen wir bang ab, dass ja wohl 2011 statt 3,4 nur noch zwei Prozent Wachstum möglich seien. Das Ausland hingegen sieht uns mit einer gesunden Mischung aus Neid und Euphorie. Das führende österreichische Wirtschaftsmagazin bejubelt gar das "Wunder von Berlin", das sich in sagenhaftem Wachstum und Rekordbeschäftigung ausdrücke. Vielleicht sollten auch wir uns solch eine positive Sichtweise aneignen. Denn die neuen Zahlen sind keine Eintagsfliegen, sondern passen in eine Kette guter Nachrichten. Auch das bislang letzte Konjunkturhoch von 2004 bis 2007 war zu zwei Dritteln den Konsumwünschen der Verbraucher zu verdanken. Wir haben folglich Grund zu Optimismus und sollten uns fragen, wie wir die gute Lage nutzen können. Erste Voraussetzung ist, dass die Politik nichts kaputt macht. Trotz klammer öffentlicher Kassen wären Steuererhöhungen Gift, weil sie sofort den privaten Konsum dämpfen würden. Besser ist es, die Bürger in ihrem neuen Optimismus zu bestärken. Auch fiskalisch zahlt sich das aus, weil konsumfreudige Menschen, die keine Angst vor Jobverlust haben, direkt und indirekt die Staatskassen füllen. Eine weitere wichtige Rolle dürfte den Lohnsteigerungen zukommen. Hier wird ein typischer Zielkonflikt auftreten: Einerseits darf die Wirtschaft nicht durch zu hohe Produktionskosten belastet werden. Andererseits fragen Arbeitnehmer, die einige Jahre lang kaum Zuwächse erlebten, zu Recht nach ihrem Anteil am Aufschwung. Und nur wer mehr auf dem Girokonto hat, kann auch mehr in den Konsum stecken. Harte Tarifauseinandersetzungen sind möglich. Doch auch wenn die Menschen jetzt wieder konsumfreudiger werden, tun sie es wahrscheinlich mit mehr Augenmaß als früher. Die Krise hat sie gelehrt, dass es riskant sein kann, wenn man beispielsweise Urlaubsreisen oder teure Autos auf Kredit finanziert. So hat jede Erfahrung auch ihr Gutes.

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