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Westdeutsche Zeitung: Debatte um Waffenrecht = Von Wolfgang Radau

Düsseldorf (ots) - Die Reaktion ist verständlich: Nach einem bewaffneten Amoklauf wie in Winnenden und nun in Lörrach wird der Ruf nach einer Verschärfung des Waffenrechts laut. Am besten sollte es gar keine Schusswaffen in Privatbesitz geben, zumindest aber sollten alle Waffen und alle Munition zentral und nicht in Privatwohnungen aufbewahrt werden. So weit die Forderungen von Menschen, die in Angst leben oder sogar Opfer von bewaffneten Straftaten geworden sind. Straftaten - das ist ein entscheidendes Stichwort. Winnenden hätte verhindert werden können, wenn der Eigentümer Waffe und Munition so aufbewahrt hätte, wie es das Gesetz vorschreibt: getrennt voneinander, in einem Stahlschrank, für Dritte nicht zugänglich. Der Vater des Todesschützen muss sich deswegen vor Gericht verantworten. Ein weiterer entscheidender Punkt ist die Umsetzung des nach Winnenden verschärften Waffenrechts, das verdachtsunabhängige Kontrollen der Aufbewahrung vorsieht, und vor allem ein zentrales, computergeführtes Waffenregister. Wir regen uns über Google auf, das mit Hilfe modernster Elektronik Daten sammeln und verknüpfen kann. Unsere Verwaltung kann das nicht. 577 Behörden speichern dezentral ihre Informationen über Schusswaffen - jede für sich, zum Teil auf Karteikarten. So hat niemand mitbekommen, dass die Todesschützin von Lörrach noch über Waffen verfügt, obwohl sie seit 14 Jahren nicht mehr Mitglied im Schützenverein ist. Nein - die größte Gefahr geht nicht von überwiegend gesetzestreuen, auf ihre Zuverlässigkeit geprüften Waffenbesitzern aus, sondern von solchen, die leichtfertig oder absichtlich Gesetze missachten. Rund zehn Millionen legalen Schusswaffen stehen geschätzte 20 Millionen illegal gehortete Gewehre, Pistolen und Revolver gegenüber. Wer sich aufrüsten will, wird auch ein Waffen- und Munitionslager im Schützen-Vereinshaus knacken. Der erste Schritt, der zu tun ist, ist die Einrichtung des bundesweiten Waffenregisters - nicht erst im Jahr 2012. Darüber hinaus sollte der Gesetzgeber überlegen, welchen Sinn sportliches Schießen mit großkalibrigen Waffen macht. Letzte Sicherheit ist auch hier nicht zu schaffen. Die Waffe, aus der die Schüsse von Lörrach abgegeben wurden, gehört in die Kategorie Kleinkaliber.

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