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Westdeutsche Zeitung: Nicolas Sarkozy gefährdet mehr als seine Karriere - Der Unberechenbare im freien Fall Von Martin Vogler =

Düsseldorf (ots) - Vom "Super-Sarko" zum Lügenbold: Das Ansehen von Nicolas Sarkozy rutscht mit unglaublicher Geschwindigkeit ab. Wenn das nur das Problem eines überdrehten Selbstdarstellers wäre, müssten wir uns nicht damit beschäftigen. Doch genaueres Hinschauen lohnt, denn die Ausrutscher des französischen Präsidenten schaden auch Deutschland, der Europäischen Union und dem Rest der Welt.

Doch auch für Frankreich selbst sind die Ausraster des ersten Mannes nicht nur peinlich, sondern bedrohlich. Die Bevölkerung scheint ihren Präsidenten nur noch mit Skandal- oder Klatschgeschichten wahrzunehmen. Die Frage, ob Gattin Carla wegen schlechter Leistungen als Hobby-Schauspielerin aus Woody Allens neuem Film rausgeschnitten wird, scheint die Nation mehr zu beschäftigen als politische Veränderungen. Dabei gäbe es für Sarkozy so viel zu tun. Als er 2007 an die Macht kam, wollte er alles wegarbeiten, was Vorgänger Chirac liegen gelassen hatte. Doch der Erfolg blieb aus. Sarkozy ist angesichts ob der Kritik dünnhäutig geworden. Und wenn er Aktionen, wie die Roma-Ausweisung, startet, tut er dies undiplomatisch und zu laut.

Mit der absurden Behauptung, Angela Merkel habe ihm gegenüber die Räumung von Roma-Lagern in Deutschland angekündigt, hat er sich nochmal gesteigert. Allein die Idee, ausgerechnet Deutschland die Existenz von Lagern für bestimmte ethnische Gruppe unterzuschieben, ist entweder infam oder vielleicht auch nur unbedacht. Auf jeden Fall ist sie für Deutschland rufschädigend, und sie belastet - da mögen sich Diplomaten verbal noch so winden - das Verhältnis der beiden Länder.

Wenn die Beziehung zwischen zwei wichtigen Gründernationen der einstigen EWG krankt, wird das der Entwicklung ganz Europas schaden. Und ein zu impulsiver Sarkozy könnte noch mehr anrichten. Die kleineren EU-Staaten hat er bereits vergrämt, als er seinem Staatssekretär eine deutliche Unterscheidung zwischen kleinen und großen Mitgliedern erlaubte. Im kommenden Jahr wachsen die Dimensionen, wenn mit G8 und G20 gleich zwei wichtige internationale Staatentreffen in Frankreich stattfinden. In seiner derzeitigen Form ist es Sarkozy zuzutrauen, dass er als Gastgeber die Veranstaltungen zum Desaster werden läßt.

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