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Westdeutsche Zeitung: Das Geschäft mit den Dispo-Krediten = von Annette Ludwig

Düsseldorf (ots) - Das Ritual ist eigentlich nicht neu: Immer, wenn die Europäische Zentralbank in der Vergangenheit den Leitzins gesenkt hat, schmolzen kurz darauf die Zinsen für Tages- und Festgelder dahin. Die Zinsen für Dispo-Kredite aber verharrten noch längere Zeit auf ihrem höheren Niveau. Das war für die Kunden schon immer ärgerlich. Doch die jüngste Untersuchung von Stiftung Warentest zeigt, dass sich diese Entwicklung zugespitzt hat - noch nie waren die Differenzen so hoch. Und das ausgerechnet in einer Zeit, in der die Europäische Zentralbank mit historisch niedrigen Zinssätzen die Folgen der Wirtschafts- und Finanzkrise abmildert. Banken konnten sich noch nie so günstig Geld besorgen wie im Augenblick. Nur der Kunde, der profitiert nicht davon. Solche Geschäftspraktiken führen angesichts der Tatsache, dass so einige Geldinstitute vor nicht allzu langer Zeit mit Staatsgeldern gerettet werden mussten, zu einem neuerlichen Vertrauensverlust der Verbraucher in die Finanzbranche. So manche Imagekampagne könnte noch erfolgreicher sein, wenn die Banken ihren Kunden im Alltag als verlässlicher Partner entgegentreten würden. Dass sich die Banken das höhere Risiko, das mit Dispo-Krediten verbunden ist, bezahlen lassen, ist durchaus legitim. Immerhin werden solche Kredite ohne zusätzliche Sicherheiten von den Geldinstituten gewährt. Doch zweistellige Dispo-Zinssätze lassen sich derzeit allein mit solchen Gründen wohl kaum erklären - zumal die Untersuchung von Stiftung Warentest zeigt, dass es Finanzinstitute in Deutschland gibt, die mit Dispo-Zinsen im einstelligen Prozent-Bereich am Markt vertreten sind. Ist nun aber gleich wieder der Gesetzgeber am Zug, wie es viele fordern? Nicht unbedingt. Zum einen haben die Kunden durchaus Möglichkeiten, teuren Anbietern die rote Karte zu zeigen. Sie können zu günstigeren Konkurrenten wechseln und somit den Wettbewerb unter den Banken verschärfen. Zudem klagt die Verbraucherzentrale NRW bereits gegen zwei Institute, weil deren Klauseln zur Zinsanpassung ihrer Einschätzung nach die Kunden benachteiligen. Und nicht zuletzt gibt es in Deutschland eine Finanzaufsicht, die diese Geschäftspraxis ins Visier nehmen kann.

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