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Westdeutsche Zeitung: Steinmeiers Liebesbeweis hat Bewunderung verdient = von Martin Vogler

Düsseldorf (ots) - Das kalte politische Leben trägt plötzlich ein menschliches Antlitz. Frank-Walter Steinmeier will sich bereits heute eine Niere entnehmen lassen, um seiner Frau das Leben zu retten. Mit diesem Liebesbeweis setzt der SPD-Fraktionschef ein deutliches Zeichen. Eine staunende Öffentlichkeit erfährt: Auch Vollblut-Politgrößen, die vermeintlich vor allem parteitaktisch und mit starkem Blick auf die eigene Karriere handeln, entsprechen im Ernstfall nicht diesem Klischee. Steinmeier folgt mit seiner konsequenten Entscheidung dem Beispiel Franz Münteferings, der sogar ein Ministeramt aufgab, um seine todkranke Frau zu pflegen. Solche Politiker senden klare Signale aus: Unsere Arbeit und die Gestaltung der Gesellschaft ist wichtig, aber es gibt Wichtigeres. Wir sollten uns von Steinmeiers Entschluss beeindrucken lassen und auf einiges verzichten, was vielleicht manchen aus allzu menschlichen Motiven verlockend erscheint. Natürlich wollen wir wissen, ob die Operationen erfolgreich verlaufen. Aber wir sollten dann den Wunsch der Familie nach Privatsphäre respektieren. Tägliche ärztliche Bulletins mit Blick durchs Schlüsselloch von Krankenzimmer-Türen sollte nicht das sein, nachdem die Öffentlichkeit dürstet. Hoffentlich wird auch die politische Szene besonnen reagieren. Denn es wäre unwürdig, wenn jetzt Gegner oder auch Parteifreunde die Abwesenheit Steinmeiers ausnutzten, um an politischen Stellschrauben zu drehen - von Personaldebatten ganz zu schweigen. Doch abgesehen davon, dass die Chancen gut stehen, dass der Anstand siegt, steht auch inhaltlich nicht viel zu befürchten. Steinmeier hat die SPD-Position zur Rente mit 67 noch festgeklopft - und die Haushaltsdebatte wird in drei Woche eben ohne ihn beginnen müssen. Steinmeiers Schritt kann für viele ein riesiger Gewinn sein: Für seine Frau und ihn sowieso. Aber auch die Glaubwürdigkeit und das Ansehen der politisch Tätigen in Deutschland insgesamt dürfte steigen. Und besonders wichtig: Frank-Walter Steinmeier, der sich bereits als Student den entsprechenden Ausweis ausstellen ließ, hat dem Thema Organspende einen neuen Stellenwert gegeben. Viele Kranken dürfen neu hoffen.

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