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Westdeutsche Zeitung: Wirtschaftswachstum = von Martin Vogler

Düsseldorf (ots) - Dass die Wirtschaft im Vergleich zum Vorquartal um sagenhafte 2,2 Prozent wächst, hat alle Fachleute überrascht. Minister Brüderle schwärmt sogleich vom XL-Wachstum. Seine Euphorie ist zwar verständlich, aber mit der Einschränkung zu sehen, dass wir bis vor eineinhalb Jahren sogar einen XXL-Rückgang des Bruttoinlandsprodukts erlitten. Die Entwicklung unserer Wirtschaft erreicht somit wieder in etwa das Niveau von vor mehr als drei Jahren. Mehr nicht. Diese Einschränkung muss man bei einer qualifizierten Beurteilung machen. Dennoch besteht kein Grund, das deutlichste Wirtschaftswachstum seit 23 Jahren klein zu reden. Dazu ist es zu eindrucksvoll. Ein nicht ganz seriöses, aber erlaubtes Zahlenspiel: Wenn wir in jedem Quartal im Vergleich zum Vorquartal ein solches Ergebnis hätten, käme die jährliche Entwicklung in die Nähe eines zweistelligen Wertes. Das wäre sensationell und würde Deutschland die gestern bereits ein Stück weit zurückeroberte Rolle der europäischen Konjunkturlokomotive zurückgeben. Doch wichtiger sind jetzt zwei Fragen: Was sind die Ursachen für die tolle Entwicklung? Und wie geht es weiter? Die Ursachen: Vor allem die Nachfrage aus dem Ausland sorgte für den Aufschwung. Gerade die exportorientierten Branchen waren allerdings in der Krise besonders unter Druck, haben also starken Nachholbedarf. Gleichzeitig kamen diese Automobilhersteller, Maschinenbauer und Chemiefirmen zum Glück relativ unbeschadet durch die Krise, so dass sie jetzt mit solider Finanzausstattung und fähigem Personal durchstarten können. Was teils an guten Managementleistungen und kompromissbereiten Mitarbeitern lag, aber auch an den staatlichen Hilfen, etwa für Kurzarbeit. Und was passiert nun? Ein Anspringen der Binnennachfrage wäre wünschenswert. Dank einer positiven Grundstimmung ist das durchaus möglich. Der Staat hingegen sollte die Krisen-Rettungsschirme, die er zur Stützung aufgespannt hat, jetzt vorsichtig - wegen des hohen Risikos - zuklappen, damit die Wirtschaft sich freischwimmt. Dann könnte es mit dem prophezeiten Boom wirklich klappen, so dass sich auch die Arbeitnehmer spätestens 2012 wieder über klare Lohnsteigerungen freuen dürften.

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