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Westdeutsche Zeitung: Das Duisburger Trauerspiel = von Frank Uferkamp

Düsseldorf (ots) - Heute kommen in Duisburg viele tausend Menschen zusammen, um der Opfer der Loveparade zu gedenken. Sie werden dies tun in tiefer Anteilnahme mit den Hinterbliebenen der 21 Toten. Die Besucher der Loveparade wollten vor einer Woche nichts anderes, als an einem Sommertag zu ihrer Musik zu feiern und zu tanzen. Doch viele Trauernde tragen auch Zorn, zumindest aber tiefes Unverständnis mit sich: Niemand hat sich bislang der Verantwortung für die Katastrophe gestellt. Juristisch wird das zwangsläufig geschehen, politisch und moralisch hätte es schon längst passieren müssen. Doch trotz eines Drucks, der sich gestern noch einmal verstärkte, bleibt Oberbürgermeister Adolf Sauerland im Amt. Und der Veranstalter Rainer Schaller zieht ebenfalls keinerlei Konsequenzen - ein Skandal. Das ist für viele Menschen schwer zu ertragen. Sauerland ist gewählt worden, um der Stadt Duisburg und den Interessen ihrer Bürger zu dienen. Das hat der CDU-Mann früher offenkundig so ordentlich gemacht, dass er im vergangenen Jahr wiedergewählt wurde. Dass der ehemalige Berufschullehrer nun bei der größten Herausforderung seiner Amtszeit versagt hat, dass er sich nicht mehr ohne Polizeischutz auf die Straßen seiner Stadt trauen darf, dass vor dem Rathaus seine Ablösung verlangt wird - das sind Gründe, zu gehen. Aber es sind vor allen Dingen die 21 Toten, die eine Fortführung seiner Amtszeit unmöglich machen. Das weiß jeder. Jemand muss es Sauerland begreiflich machen. Da sind Freunde und Parteifreunde gefordert. Ein bisschen anders ist die Lage bei Veranstalter Schaller. Auch er wurde angezeigt, aber er hat kein politisches Amt inne. Doch auch ihn trifft die volle Wucht der Vorwürfe. Was der Innenmiminister des Landes, Ralf Jäger, gegen ihn in Stellung brachte, ist so massiv, dass auch er sich erklären muss: Kann ich so weitermachen oder muss ich nicht auch eingestehen, dass ich Fehler gemacht habe? Die Trauerfeier wird heute hoffentlich dazu beitragen, dass den Gefühlen ein Ventil gegeben wird. Denn die Stimmung in Duisburg droht zu kippen. Das liegt nicht an den Trauernden. Das liegt an den Verantwortlichen, die nicht mehr verantwortlich sein wollen.

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