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Westdeutsche Zeitung: Gesundheit darf kein Luxusgut werden = Von Lothar Leuschen

Düsseldorf (ots) - Josef Schlarmanns Vorschlag ist sicher nicht populär, und populistisch ist er schon gar nicht. Auf den ersten Blick sieht die Idee des Vorsitzenden der CDU/CSU-Mittelstandsvereinigung so aus, als sollte der gesetzlich Krankenversicherte weiter die Zeche bezahlen, die Pharmaverbände, Lobbyisten, Krankenkassen, Ärzteschaft et cetera prellen. Und in der Tat kommen in Schlarmanns Idee Einsparungen bei den üblichen Verdächtigen mit keiner Silbe vor. Dennoch verdient sein Beitrag Beachtung. Was geschieht, wenn, von chronisch Kranken abgesehen, der Versicherte künftig für jeden Arztbesuch bezahlen muss? Wahrscheinlich sinkt die Zahl der Arztbesuche. Der Vergleich mit Schweden zeigt, dass da in Deutschland bisher etwas schiefläuft. Drei Arztbesuchen pro Bürger und Jahr dort stehen hier 18 gegenüber. Dabei ist der Schwede im Schnitt keinen Deut gesünder als der Deutsche. Deshalb geht Schlarmanns Gebührenvorschlag in die richtige Richtung. Und er führt dazu, dass die Kosten im Gesundheitswesen auch wirklich sinken. Weniger Arztbesuche bedeuten weniger Verschreibungen, weniger Untersuchungen, weniger kostenpflichtige Beratungen. Das hätte Sinn in einem Land, in dem jedes Jahr allein für Pillen, Salben und Säfte mehr als 30 Milliarden Euro ausgegeben werden. Aber all das geht nicht weit genug. In Deutschland belaufen sich die Gesundheitsausgaben im Jahr auf gut 260 Milliarden Euro. Einen Großteil davon bezahlt heute derjenige, der von Schlarmann mit zusätzlichen Praxisgebühren und von Gesundheitsminister Philipp Rösler mit zusätzlichen Kassenbeiträgen belastet wird. Die Grenze des Zumutbaren ist da längst erreicht. Mehr geht nicht. Also müssen die Gesundheitskosten sinken. Dafür sind intelligente Lösungen gefragt. Nullrunden für Krankenschwestern und -pfleger gehören nicht dazu. Billigere Medikamente und mehr Wettbewerb durch Kostentransparenz auch für gesetzlich Versicherte könnten eher Schritte auf dem richtigen Weg sein. Und wenn zusätzliche Praxisgebühren den Sparprozess beschleunigen, dann heiligt der Zweck selbst dieses Mittel. Eines ist jedenfalls sicher: Das Gesundheitswesen in Deutschland muss billiger werden, damit Gesundheit in Deutschland kein Luxusgut wird.

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