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Westdeutsche Zeitung: Höhere Krankenkassenbeiträge = von Martin Vogler

Düsseldorf (ots) - Zwölf Euro Mehrbelastung im Monat für einen Gutverdiener. Weitere zwölf Euro muss der Arbeitgeber drauflegen. Das schmerzt beide. Und kaum einer der 50 Millionen gesetzlich Versicherten und deren Firmen werden verstehen, warum es zu diesem Schritt kommen soll. Klar: Das Gesundheitssystem schreibt rote Zahlen. Klar auch: Wenn niemand gegensteuert, ist es bald gar nicht mehr finanzierbar. Doch deshalb fantasielos die Beiträge zu erhöhen, zeugt von einer unglaublichen Hilflosigkeit. Denn dieser Schritt trägt, medizinisch gesprochen, zwar kurzzeitig zur Linderung bei, heilt jedoch nicht. Die Schmerzen werden sogar durch steigende Zusatzbeiträge, die bereits einige Kassen verlangen, noch zunehmen. Die Beitragserhöhung reiht sich in das gewohnte Stückwerk der Gesundheitspolitik ein. Da gilt schon als innovativ, wenn jemand vorschlägt, die Praxisgebühr anders zu stückeln, oder wenn jemand eine Nische entdeckt, in der man Leistungen kürzen könnte. Letzteres droht jetzt bei Unfällen, die man selbst verschuldet hat: Wahrscheinlich muss die Krankenkasse künftig dafür keine Leistungen mehr erbringen. Prima, das spart ihr ein paar Ausgaben. Übel dran hingegen ist der Versicherte, dem im schlimmsten Fall nach einem Unfall mit Arbeitsunfähigkeit und hohen Behandlungskosten das finanzielle Ende droht. Oder soll er sich künftig privat gegen das spezielle Risiko "selbstverschuldeter Unfall" versichern? Man möchte wetten, dass die Urheber dieser Idee über solche Folgen kaum nachgedacht haben. Die Beispiele zeigen, dass dem Gesundheitssystem mit Stückwerk nicht zu helfen ist. Das geht nur mit grundlegenden Änderungen. Die Regierung hat zwar fleißig Konzepte entwickelt, konnte sich jedoch damit nicht durchsetzen. Vieles ging schon im koalitionsinternen Gerangel verloren, anderes verendete im Hagel der Kritik von Lobbyisten und Opposition - deren eigene Vorschläge allerdings ebenfalls nicht überzeugen. Ein wenig mehr Eigenverantwortung täte übrigens auch dem Gesundheitswesen gut. Der Trend läuft leider anders: Einheitskassen, wachsende Bürokratie, entmündigte Patienten und jetzt höhere Beiträge und damit ein geringeres Nettoeinkommen für 50 Millionen. Das ist auch Gift für die Konjunktur.

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