Westdeutsche Zeitung

Westdeutsche Zeitung: Warum ein Grand-Prix-Sieg uns allen ungemein gut tut - Frisch, charmant und selbstironisch Von Martin Vogler =

Düsseldorf (ots) - Fröhliche Menschen tanzen auf den Straßen und schwenken scharz-rot-goldene Fähnchen. In den Wohnzimmern knallen Sektkorken, und Fernsehsender wirbeln ihr Programmschema wegen Lena-Sondersendungen durcheinander. Ist dieser Hype nicht heftig übertrieben? Denn eigentlich hat nur eine 19-Jährige einen Gesangswettbewerb gewonnen.

Falsch. Die Begeisterung ist nicht nur ansteckend, sondern berechtigt. Immerhin musste Deutschland 28 Jahre auf einen Grand-Prix-Sieg warten. Wichtiger: Die unverkrampfte Art, mit der die Siegerin und ihr Team auftreten, fasziniert ganz Europa. 76 Punkte Vorsprung und die breite Streuung der neun Länder, die die legendären "twelve points" vergaben, beweisen das. Charme und Frische überzeugen. Auch wenn harte Arbeit dahinter steckt, beeindruckt, dass Lena stets ein wenig selbstironisch rüberkommt. Vor allem damit schafft sie es, als Symbolfigur das europaweite Deutschland-Bild sensationell ins Positive zu drehen. Spätestens seit der Nacht von Oslo finden uns unsere Nachbarn nicht mehr nur fleißig, oft überheblich und verbiestert, sondern entspannt, fröhlich und sympathisch. Vor allem trauen sie uns jetzt zu, dass wir auch mal über uns selbst lachen können.

Das ist wohltuend. Denn auch wenn deutsche Großmannssucht der ganz üblen Art vor 65 ihr Ende fand, wirkt die Hypothek im Ausland zumindest gelegentlich noch nach. Doch die unverkrampfte Art, wie jetzt Millionen Lenas Sieg bejubeln, ist wohltuend anders. Vor solchen fahnenschwenkenden Fans braucht in Europa niemand Angst zu haben. Die wollen nur feiern. Was wir hoffentlich genauso bei der bevorstehenden Fußball-WM in Südafrika erleben werden.

Und was wird aus Lena? Keine Bange. Der Starruhm und ihre wichtige Rolle als Sympathie-Botschafterin für Deutschland wird ihr nicht zu Kopf steigen. Denn im Gegensatz zu den unerträglichen, angeblichen Superstars, die Fernsehsender massenhaft produzieren, hat sie das Potenzial zur reifen Persönlichkeit. Falls sie nach dem Sieg noch will, könnte sie, nicht nur wegen ihres Abiturs, auch eine vielversprechende Karriere abseits des Showgeschäfts einschlagen. Als abgetakelter C-Promi, der bei Kaffeefahrten auftreten muss, werden wir sie wohl nie erleben.

Pressekontakt:

Westdeutsche Zeitung
Nachrichtenredaktion
Telefon: 0211 / 8382-2370
redaktion.nachrichten@westdeutsche-zeitung.de

Original-Content von: Westdeutsche Zeitung, übermittelt durch news aktuell

Weitere Meldungen: Westdeutsche Zeitung

Das könnte Sie auch interessieren: