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Westdeutsche Zeitung: NRW-Wahl = von Frank Uferkamp

Düsseldorf (ots) - Nach der Wahl ist nicht vor der Wahl - Politik unterscheidet sich gravierend vom Sport, trotz aller immer wieder verzweifelt bemühten Parallelen. Beim Fußball zum Beispiel steht das Ergebnis am Ende aller Bemühungen, in der Politik kann es manchmal erst den Beginn markieren. So wie jetzt in NRW. Der Wähler hat den Parteien ein Patt in einem Fünf-Parteien-System beschert. Die Beteiligten müssen nun sehen, dass sie daraus eine Regierung machen. Das wird nicht einfach, es wird viel Zeit kosten. Die CDU ist stärkste Partei im Lande geblieben und doch die große Verliererin des Sonntags. Ihren Erdrutsch hat natürlich Jürgen Rüttgers zu verantworten, der am Abend seiner größten Niederlage bewies: Er hat kein Stehvermögen. Denn für viele Stunden tauchte er einfach ab. Für jemanden, der sich in guten Zeiten sehr sorgfältig in Szene setzen ließ, eine schlechte Vorstellung. Rüttgers hat sich vor fünf Jahren zu Recht als großen Gewinner vor allen feiern lassen. Verloren hat er nun ganz einsam. Doch in dem gerade erst begonnenen Poker um die künftige Landesregierung ist er wohl nicht mehr als Laviermasse. Denn seine einzige Hoffnung wäre eine Große Koalition unter seiner Führung - da winkt die SPD nur müde ab. Das alles beschert dem Land in schwieriger Lage aber noch keine neue Regierung. SPD und Grüne bilden nun eine Einheit, wollen die Möglichkeiten einer Mehrheit ausloten. Rot-Grün-Plus nennen die Grünen dieses Modell. Plus ist dabei eine Leerstelle für die Linkspartei oder aber die FDP. Zunächst reden Hannelore Kraft und Sylvia Löhrmann wohl mit der Linkspartei, loten dort das Mögliche aus. Vor allem aber Kraft dürfte auch das Unmögliche immer im Hinterkopf haben: Ein Bündnis mit der Linkspartei, die sie selbst als regierungsunfähig bezeichnet hat, würde die SPD zerreißen. Aber es kann natürlich sein, dass die Linken vieles mitmachen und ihren sozialistischen Träumen pro forma abschwören. Dann aber wäre der Moment für Kraft und Löhrmann, sich der FDP zuzuwenden, um eine Ampel auszuloten. Die Liberalen hätten dann die Staatsbürgerpflicht, sich der Aufgabe nicht zu verschließen. Dieser Prozess kann noch Wochen dauern. Überraschungen nicht ausgeschlossen.

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