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Westdeutsche Zeitung: NRW-Wahl = von Martin Vogler

Düsseldorf (ots) - Auf uns Wähler ist wirklich kein Verlass mehr. Wir gehen in der Kabine schon mal wahltechnisch fremd, oder wir entscheiden uns erst im letzten Moment. Arme Wahlforscher, wie sollen die da exakte Prognosen liefern? Das Vorhersage-Geschäft ist schwer geworden. Zumal viele im Kurzinterview anders antworten als sie später wählen. Auch die bewährten Telefonbefragungen werden wertloser, weil sie die mobile Bevölkerungsgruppe vernachlässigen, die dank Handy auf einen Festnetz-Anschluss verzichtet. Als repräsentative Erhebung mit vertrauenswürdigen Ergebnissen darf man so etwas wohl nicht mehr werten. Für Politiker, für die vom Wahlergebnis die Erfüllung ihrer politischen Visionen genauso wie ihr weiterer Lebensweg abhängt, ist diese Unsicherheit misslich. Für uns Bürger heißt das: Dieser Wahlabend wird wohl spannender als jeder Tatort. Weil fast alles möglich ist. Eine Wiederholung der CDU-FDP-Regierung ist denkbar, auch wenn SPD und Grüne vorne zu liegen scheinen. Doch diese beiden möglichen Koalitionen können wohl rechnerisch nur klappen, wenn die Linkspartei nicht den Sprung ins Parlament schafft. Kommt sie rein, müssen mit fünf Fraktionen Lösungen gesucht werden: Große Koalition aus CDU und SPD? Oder CDU mit Grünen? Oder SPD und Grüne bilden doch zusammen mit den Linken eine Regierung? Nach einem eher müden und von bundespolitischen Aspekten geprägten Wahlkampf wird erst am Sonntagabend wahre Dramatik aufkommen. Möglicherweise entscheiden ein paar hundert Stimmen mehr oder weniger für die Linkspartei über die politische Entwicklung der nächsten fünf Jahre in NRW. Nicht zu unterschätzen sind die Auswirkungen auf Berlin, wenn sich die Mehrheit im Bundesrat ändert. Die Wähler wissen also, dass es angesichts der knappen Situation und der deutschlandweiten Bedeutung diesmal tatsächlich auf jede Stimme ankommt. Und falls wir, vielleicht weil wir im behäbigen Strom der Politikverdrossenen mitschwimmen, gar nicht wählen, vertun wir die Chance, wirklich Einfluss zu nehmen. Abgesehen davon, dass man als Nichtwähler sowieso das moralische Recht verspielt hat, später an politischen Entwicklungen herumzumäkeln.

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