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Westdeutsche Zeitung: Arbeitslosenzahlen = von Annette Ludwig

Düsseldorf (ots) - Krise, welche Krise? Das kann man sich schon fragen angesichts der überraschend guten Arbeitsmarktzahlen, die die Bundesagentur für Arbeit nun schon seit mehreren Monaten verkündet. War da was mit Finanzkrise, mit staatlichen Rettungspaketen, mit Rezession? Der deutsche Arbeitsmarkt zeigt sich unerschütterlich robust - das hat selbst viele Experten überrascht. Er scheint sich von der etwas unsicheren Einschätzung der Wirtschaftslage abgekoppelt zu haben. Dass die Lage am Arbeitsmarkt hierzulande deutlich stabiler ist als in vielen anderen europäischen Ländern, hat gleich mehrere Gründe. Zum einen hat die Bundesregierung in dieser Hinsicht ein vorbildliches Krisenmanagement geleistet. Die Kurzarbeit ermöglichte es den Unternehmen, ihre qualifizierte Stammbelegschaft auch bei schlecht gefüllten Auftragsbüchern zu halten. Diese Wunderwaffe haben andere Länder gar nicht oder erst viel später nach dem Vorbild Deutschlands genutzt. Zum anderen greifen inzwischen die staatlich aufgelegten Konjunkturprogramme, beispielsweise für Infrastruktur oder zur Sanierung. Auch die Arbeitsmarktreformen der vergangenen Jahre zeigen Wirkung. Und nicht zuletzt haben auch die Unternehmer besonnen reagiert. Sie nutzten neben der Kurzarbeit Arbeitszeitkonten, Urlaubsregelungen und flexible Tarifverträge, um Entlassungen möglichst zu vermeiden. Ist der Arbeitsmarkt in Deutschland damit über den Berg? Die Anzeichen sprechen dafür, dass es nicht zu einem Katastrophen-Szenario kommt, das Experten zunächst erwartet hatten. Doch es bleiben Unsicherheiten. Die Folgen der Griechenland-Krise sind noch nicht abzuschätzen. Die wirtschaftliche Lage ist fragil. Selbst bei einer weiteren Erholung der Wirtschaft werden die Unternehmen wohl eher zögerlich neu einstellen. Gerade jetzt sollte die Politik ihr Augenmerk daher auf die steigende Zahl der Langzeitarbeitslosen richten. Es muss darum gehen, auch ihnen wieder Arbeit und damit Perspektive und Lebensqualität zu geben. Arbeitgeberpräsident Dieter Hundt hat das Thema bereits angesprochen. Die Deutschen könnten auch hier zum europäischen Musterbeispiel werden.

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