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Westdeutsche Zeitung: Bischöfe drängten Walter Mixa zum Rückzug = Von Wibke Busch

Düsseldorf (ots) - Von großer Erleichterung war gestern allerorten die Rede. Erleichterung vor allem in der katholischen Kirche, dass der umstrittene Augsburger Bischof Walter Mixa den Rückzug angetreten hat. Der Vorgang erinnert an den Rücktritt der evangelischen Landesbischöfin Margot Käßmann nach ihrer Alkoholfahrt. Und doch unterscheiden sich die Schritte der beiden ganz erheblich. Wo Käßmann das Heft des Handelns in der Hand behielt und sich damit Respekt verdiente, musste Mixa regelrecht aus dem Amt gedrängt werden. Gerade hierin allerdings liegt eine große Chance für die katholische Kirche. Denn es waren der Chef der Deutschen Bischofskonferenz Zollitsch und der einflussreiche Münchner Oberhirte Marx, die deutliche Worte fanden und damit den Rückzug von Mixa letztlich erzwangen. Sie hatten offenbar erkannt, dass Mixas Umgang mit der Krise, sein Lavieren, der Kirche schadete. Der Augsburger Erzkonservative war zur Belastung geworden, auch wenn die Vorwürfe gegen ihn weiterhin nicht bewiesen sind. Sie entschieden sich, nicht länger die Hand über den Kollegen zu halten, sondern gingen in die Offensive, um weiteren Schaden abzuwenden. Nun wird Ruhe in das Bistum einkehren. Die Aufklärung der Vorwürfe gegen Mixa muss weitergehen. Das Krisenmanagement zeigt, dass die deutschen Bischöfe die Debatte um Missbrauch und Misshandlungen in katholischen Einrichtungen ernst nehmen. Es zeigt auch, dass sie aus der größten Vertrauenskrise seit Jahrzehnten weitere Konsequenzen ziehen wollen. Erste Schritte wurden mit der Einsetzung eines Sonderbeauftragten und der Schaltung einer Hotline unternommen. Weitere Schritte müssen folgen - zum Beispiel eine stärkere Zusammenarbeit der Kirche mit der Justiz bei Verdachtsfällen auf Missbrauch. Ein Thema, das sicherlich den Runden Tisch beschäftigen wird, der heute erstmals tagt. Genauso wichtig wird sein, dass die Bischöfe offen mit den Themen Missbrauch und Misshandlung umgehen. Nicht nur die Übergriffe, sondern besonders das Vertuschen hat das Vertrauen in die Kirche nachhaltig erschüttert. Der Fall Mixa lässt hoffen, dass die Bischöfe ihre Wagenburg auf Dauer verlassen haben.

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