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Westdeutsche Zeitung: Vulkanausbruch zeigt Grenzen der Technik auf - Großer Schaden, aber keine Katastrophe Von Wolfgang Radau =

Düsseldorf (ots) - Hunderttausende lagern wie Strandgut auf Europas Flughäfen. Eisenbahnen und Hotels sind überfüllt - und das Regierungsflugzeug mit Kanzlerin Merkel und ihrem Stab landet auf der Heimreise von Kalifornien statt in Berlin in Lissabon. Der Vulkanausbruch in Island wird vielen Menschen noch lange in Erinnerung bleiben - als Zeichen, dass technischer Fortschritt dort seine Grenzen hat, wo die Natur ihre Gewalt ausspielt.

Es grenzt an ein Wunder, dass weltweit bisher kein einziger Absturz eines Passagierflugzeuges bekannt ist, das zuvor durch eine Wolke aus Vulkanasche geflogen war. Dabei sind die Vorstellungen, was alles passieren kann, haarsträubend. Siliziumhaltige Asche schmilzt in den Triebwerken und legt sich wie ein glasiger Film auf deren Innenleben. Staurohre verstopfen und liefern keine Messdaten mehr ins Cockpit. Die scharfen Asche-Kristalle schmirgeln Klarglas zu Milchglas - die Flugkapitäne sind sozusagen blind. 1982 segelte ein britischer Jumbo-Jet mit 263 Passagieren an Bord 7500 Meter tief auf den Indischen Ozean zu. Alle vier Triebwerke waren ausgefallen - nach 14 Minuten gelang es den Piloten, zwei Motoren wieder anzuwerfen und notzulanden.

Der wirtschaftliche Schaden, den der weitgehende Stillstand der vergangenen Tage im europäischen Luftverkehr verursacht hat, ist groß. Die Fluggesellschaften verdienen am Boden kein Geld, der Handel wartet vergeblich auf schnell verderbliche Waren. Flugzeuge, die gefährdete Regionen durchflogen haben, müssen aufwändig technisch überprüft werden. Passagiere versäumen Termine, erleben Ärger statt Urlaubsfreude. Nur: all das ist zu verschmerzen, so lange durch Vorsorge Katastrophen verhindert werden können.

Die bange Frage lautet: Welche Schäden bleiben zurück nach dem Ausbruch des isländischen Vulkans mit dem unaussprechlichen Namen? Die zumindest zum heutigen Zeitpunkt beruhigende Antwort lautet: Dauerhafte Auswirkungen auf unser Klima sind nicht zu erwarten - dafür war der Ausbruch nicht heftig genug. Ebensowenig ist mit Feinstaub-Gefahr aufgrund des Ascheregens zu rechnen. Die Wolke befindet sich in so großer Höhe, dass auch die Sonne nicht verdunkelt wird - der Sommer kann also aller Voraussicht nach ungehindert stattfinden.

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