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Westdeutsche Zeitung: Ein vorzeitiger Abzug der Soldaten wäre das falsche Signal - Die Bundeswehr muss in Afghanistan bleiben Von Lothar Leuschen =

Düsseldorf (ots) - Angesichts von drei Särgen, von weinenden Soldaten, von Politikern, die um die richtigen Worten ringen, kann es eigentlich nur einen Reflex geben: Die Bundeswehr muss raus aus Afghanistan. Aber in diesem Fall ist das Bauchgefühl kein guter Ratgeber. Trotz der Toten, trotz der in diesen Tagen verzweifelten jungen Männer, die in einem Land ihr Leben riskieren, das den meisten Deutschen so fremd ist wie die dunkle Seite des Mondes, kann die Antwort auf das Drama vom vergangenen Freitag nur lauten: Jetzt erst recht. Was soll denn kommen, wenn die Bundeswehr und mit ihr womöglich alle internationalen Truppen dieses zerrissene Land verlassen? Wer ebnet dem von Kriegen und militärischen Auseinandersetzungen gebeutelten Volk den Weg in einen stabilen, dauerhaften Frieden? Und wer schützt die westliche Welt davor, dass Selbstmordattentäter auch von Afghanistan aus weiter Tod und Verderben bringen? Es stimmt, was die Befürworter des Bundeswehreinsatzes immer wieder sagen: In gewisser Weise wird die Freiheit Deutschlands am Hindukusch verteidigt. Dass Verteidigungsminister Guttenberg für diesen Einsatz zumindest umgangssprachlich den Begriff "Krieg" benutzt, mag jedem hierzulande wenigstens annähernd verdeutlichen, was Soldaten und Hilfskräfte tagtäglich in und um Kundus erleben. Dabei ist die Wortwahl nur noch für Politiker von Bedeutung. Für fast alle anderen herrscht Krieg, ein überaus schmutziger Krieg mit Attentaten, Hinterhalten und einem Feind, der oft vom Freund nicht zu unterscheiden ist. Den Armeen aus aller Herren Länder stehen Kriminelle gegenüber, die Menschen zu ferngesteuerten Waffen machen, gegen die selbst noch so hochgerüstete Truppen machtlos sind. Diesen Fanatikern muss das Handwerk gelegt werden, damit in Afghanistan Strukturen entstehen können, die Frieden und Wohlstand ermöglichen. Ohne Unterstützung von außen aber wird das nicht gelingen, wird weiter gebombt und terrorisiert - in Afghanistan und überall auf der Welt. Es ist die Aufgabe der Isaf-Truppen, dem ein Ende zu setzen. Diesem Auftrag kann sich niemand entziehen, auch Deutschland, auch die Bundeswehr nicht. Pressekontakt: Westdeutsche Zeitung Nachrichtenredaktion Telefon: 0211 / 8382-2358 redaktion.nachrichten@westdeutsche-zeitung.de Original-Content von: Westdeutsche Zeitung, übermittelt durch news aktuell

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