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Westdeutsche Zeitung: Selbstkritik als Osterbotschaft = Von Wolfgang Radau

    Düsseldorf (ots) - Die Osterbotschaft 2010 der katholischen Kirche in Deutschland ist eine ungewöhnliche, denn sie übt Selbstkritik. Erzbischof Robert Zollitsch, Vorsitzender der Bischofskonferenz, spricht von "Trauer, Entsetzen und Scham" über das Leid, das katholische Priester und Ordensleute über Kinder und Jugendliche gebracht haben, die ihnen anvertraut waren. Zollitsch und andere Bischöfe nennen sexuellen Missbrauch beim Namen und gestehen ein, die Kirche habe die Opfer oft über Jahrzehnte hinweg in ihrem Leid alleine gelassen. Das ist das besonders Schändliche an dem Missbrauchs-Skandal, dass Schutzbefohlenen nicht nur schwere körperliche und seelische Verwundungen zugefügt worden sind, die sie ein Leben lang begleiten. Sondern dass man ihnen wahrscheinlich auch nicht geglaubt hätte, wenn sie das Unaussprechliche ausgesprochen hätten. Geistliche galten und gelten eben als sakrosankt. Seit nunmehr einem Vierteljahr kommen immer wieder neue Verbrechen an die Öffentlichkeit - als sei ein Damm gebrochen. Vieles, was in den Strudel hineingezogen wird, gehört nicht unbedingt in den Zusammenhang: körperliche Züchtigung zum Beispiel, die heutzutage geächtet ist, vor einem halben Jahrhundert aber noch als legitime Erziehungsmethode galt. Auch wer jetzt alle Priester, Ordensleute und Kirchenmitarbeiter unter Generalverdacht stellt, begeht Unrecht: Die überwältigende Mehrheit hat sich nicht schuldig gemacht. Eine grundlegende Verfehlung der katholischen Kirche besteht darin, dass sie mehr auf den Ruf ihres Apparates bedacht gewesen ist und weniger auf den Ruf derer, die ohne Fehl und Tadel wertvolle Erziehungs- und Bildungsarbeit leisten. Auch denen gilt kirchliche Fürsorgepflicht. Während der Papst in Rom bislang mit keinem öffentlichen Wort auf den Zweifel an der Glaubwürdigkeit seiner Kirche eingeht, der wie ein Sturm durch Deutschland fegt, sagt der oberste deutsche Bischof Zollitsch, dass der Karfreitag 2010 einen Neuanfang markieren soll, "den wir alle so dringend benötigen". Wir glauben Zollitsch, dass er das ehrlich meint - immerhin entschuldigte er sich schon vor einem Monat bei den Missbrauchsopfern, als sein Mitbruder Mixa noch Ursachen in der "Sexualisierung der Gesellschaft" suchte.

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