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Westdeutsche Zeitung: Landesbanken - ein Trauerspiel = Von Ingo Faust

Düsseldorf (ots) - Deutschlands Landesbanken, einst prächtige Marmorpaläste mit Niederlassungen rund um den Globus, taumeln nur noch von einer Krise in die nächste. Was sich derzeit bei den verbliebenen sieben Instituten abspielt, ist ein Trauerspiel. Die 2005 abgeschaffte Gewährsträgerhaftung hat diesen Banken den Boden unter den Füßen weggezogen. Die Finanzkrise gab und gibt ihnen nun den Rest. Weil sie, nachdem sie wie normale Privatbanken agieren mussten, auf anderem Wege kaum noch Geld verdienen konnten, haben die Landesbanken voll auf Risiko gespielt. Sie haben sich mit toxischen Papieren, die in den USA als fein verpackte Hypothekendarlehen für bonitätsschwache Schuldner (Subprime) auf den Markt kamen, vollgesogen, weil sie gut verzinst waren. Oder sie kauften sich wie die BayernLB gleich eine eigene Bank mit risikoreichen Engagements in Osteuropa. Die WestLB verzockte sich mit einem TV-Vermieter und beim Handel mit VW-Aktienoptionen. Dafür mussten sie von den Eigentümern - meist Länder und Sparkassen - mit Milliarden gestützt werden. In der heißen Phase der Krise hielten sich die EU-Wettbewerbshüter bewusst etwas zurück. Jetzt gehen sie aber wieder gegen die den Wettbewerb verzerrenden Milliarden-Hilfen von Bund und Ländern vor und fordern tragfähige Geschäftsmodelle, die sich auch rentieren. Dabei greift Brüssel hart durch, fordert die Aufgabe von riskanten Investmentgeschäften, verordnet die Privatisierung und Schrumpfkuren. WestLB und BayernLB sollen nach ihrer Sanierung verkauft werden. Die baden-württembergische LBBW soll sich auf das "Ländle" konzentrieren. Dem Trauerspiel, das Milliarden an Steuergeldern kostet, wäre schnell und einfach ein Ende zu bereiten, falls Landespolitiker, die um Posten, Prestige und Finanzplatz fürchten, mitspielen würden. Deutschland braucht keine sieben Landesbanken mehr - eine würde als Clearing- und Verrechnungsinstitut für die Sparkassen reichen. Und selbst die Sparkassen wären mit drei großen Blöcken - Norden, Mitte und Süden - nach eigenen Beschlüssen zufrieden. Aber zuvor müsste fusioniert werden, und da will niemand wegen der befürchteten Jobverluste ran. Brüssel wird aber hoffentlich nicht aufhören, auf Fusionen zu drängen. Pressekontakt: Westdeutsche Zeitung Nachrichtenredaktion Telefon: 0211/ 8382-2358 redaktion.nachrichten@westdeutsche-zeitung.de Original-Content von: Westdeutsche Zeitung, übermittelt durch news aktuell

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