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Westdeutsche Zeitung: Merkels souveräne Rede vor dem US-Kongress Zwischen Emotion und Sachlichkeit Von Peter De Thier

Düsseldorf (ots) - Zwar sprach Kanzlerin Angela Merkel vor dem US-Kongress über den historischen geopolitischen Wandel während der letzten zwei Jahrzehnte. Man sollte aber nicht vergessen, was sich im deutsch-amerikanischen Verhältnis allein seit 2005 getan hat. Unter Ex-Kanzler Gerhard Schröder waren die bilateralen Beziehungen auf einen Tiefpunkt gesunken. Die ablehnende Haltung der Bundesregierung zur amerikanischen Irak-Politik und das ausgesprochen frostige Verhältnis zwischen Schröder und Präsident George W. Bush führten dazu, dass der Kanzler in Washington ignoriert wurde und stattdessen Oppositionspolitikern der roten Teppich ausgerollt wurde. Dazu gehörte damals auch Merkel, die mit offenen Armen empfangen wurde, weil sie mehr Verständnis für Bushs Außenpolitik zeigte. Gleichwohl hätte niemand für möglich gehalten, dass sich innerhalb weniger Jahre das Blatt so dramatisch wendet und einem deutschen Regierungschef die ungewöhnliche Ehre zuteil wird, vor den Mächtigen in Washington eine vielbeachtete Grundsatzrede zu halten. Die Kanzlerin nutzte jedenfalls die Chance und begeisterte mit einem souveränen Vortrag, der einerseits geschickt an die Emotionen patriotischer Amerikaner appellierte, zugleich aber ausgesprochen sachlich gemeinsame Ziele und politische Herausforderungen artikulierte. Geschickt und ebenso notwendig war insbesondere ihr Hinweis auf Deutschlands militärische Rolle in Afghanistan. Denn nach wie vor bemängeln Amerikaner, darunter auch einige Politiker in Washington, den angeblich zu geringen Beitrag der Bundesrepublik zu Terrorbekämpfung. Auch sollte nun mit dem weitverbreiteten Vorurteil aufgeräumt werden, wonach zwischen der Kanzlerin und Präsident Obama die "Chemie" nicht stimme. Gewiss war es nicht Obama, sondern die demokratische Fraktionschefin Nancy Pelosi, die Merkel formal die Einladung aussprach, vor dem Kongress zu reden. Doch ohne das Einverständnis des Präsidenten wäre es gar nicht erst dazu gekommen. Merkel und Obama sind nüchterne Analytiker, die sich als Politiker gegenseitig schätzen und sehr wohl verstehen, welche große Bedeutung starken und gesunden transatlantischen Beziehungen zukommt. Pressekontakt: Westdeutsche Zeitung Nachrichtenredaktion Telefon: 0211 / 8382-2358 redaktion.nachrichten@westdeutsche-zeitung.de Original-Content von: Westdeutsche Zeitung, übermittelt durch news aktuell

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